Seit drei Wochen läuft Siri AI auf iPhones in den USA und sogar in der Schweiz – in der EU bleibt das iPhone außen vor. Einen Termin nennt Apple nicht. Eine neue Einschätzung macht wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung: Fünf Monate gelten dort als der beste denkbare Fall.
Die Einschätzung stammt von Mark Gurman, der sich in seinem Newsletter Power On bei Bloomberg vom 4. Oktober zur Lage in der EU geäußert hat. Demnach wäre eine Verzögerung von rund fünf Monaten nach dem Start von iOS 27 der bestmögliche Fall, eine längere Wartezeit hält er für möglich.
Ausgerechnet die Funktion, um die sich iOS 27 dreht, fehlt damit auf den Geräten, auf denen die meisten Nutzer Siri ansprechen. Was die neue Assistenz kann, zeigt die Übersicht aller Funktionen von Siri AI in iOS 27.
Das Wichtigste in Kürze
- Gurman nennt rund fünf Monate ab dem Start von iOS 27 als bestmöglichen Fall für Siri AI auf EU-iPhones und -iPads.
- Er hält eine noch längere Wartezeit für möglich.
- Gurman vermutet, dass Apple Siri AI auch zurückhält, um über verärgerte Kunden Druck auf die EU-Kommission aufzubauen.
- Bei Apple Intelligence lagen 2024/25 zwischen US-Start und EU-Start auf dem iPhone 154 Tage.
- Auf dem Mac und in der Schweiz ist Siri AI bereits verfügbar.
Fünf Monate als bestmöglicher Fall
Gurman beschreibt die rund fünf Monate ausdrücklich als günstigsten Verlauf. Wie lange es tatsächlich dauert, hängt nach seiner Darstellung davon ab, wie die Verhandlungen zwischen Apple und der EU-Kommission über die Auslegung des Digital Markets Act verlaufen. Die Gespräche zwischen Tim Cook und der EU über Siri AI laufen seit dem Sommer.
Dazu kommt eine Deutung: Apple soll das Upgrade auch deshalb zurückhalten, um die Kommission unter Druck zu setzen. Die Erwartung dahinter wäre, dass enttäuschte Kunden auf eine Änderung des Kurses in Brüssel drängen.
Gurman gehört zu den verlässlichsten Quellen für Apples interne Pläne und Zeitabläufe. Hier formuliert er allerdings eine Einschätzung des Verhandlungsstands und keinen Termin aus Apples Planung. Auch die Druck-These ist seine Interpretation, kein belegter Vorgang.
Der Vergleich mit Apple Intelligence
Gurman vergleicht die Lage mit dem verspäteten EU-Start von Apple Intelligence. Die Zahlen dazu passen auffällig gut:
| US-Start | EU-Start auf dem iPhone | Abstand | |
|---|---|---|---|
| Apple Intelligence | 28.10.2024 (iOS 18.1) | 31.03.2025 (iOS 18.4) | 154 Tage |
| Siri AI | 14.09.2026 (iOS 27) | offen | bestenfalls rund fünf Monate |
Apple Intelligence kam damals mit iOS 18.4 auf iPhones und iPads in der EU und zugleich auf Deutsch. Der Abstand von gut fünf Monaten entspricht damit genau dem Wert, den Gurman jetzt als besten Fall ansetzt.
Wo Siri AI hierzulande schon läuft
Gesperrt ist Siri AI in der EU unter iOS und iPadOS, beides vom DMA erfasste Plattformen. In seiner Mitteilung zur Verzögerung in der EU nennt Apple macOS 27 und visionOS 27 ausdrücklich als Systeme, auf denen Nutzer in der EU Siri AI verwenden können. Auf der Apple Watch fehlt die Funktion, weil sie unter watchOS 27 ein gekoppeltes iPhone mit Siri AI voraussetzt.
Anders liegt der Fall in der Schweiz, die nicht zur EU gehört. Ein Apple-Sprecher bestätigte bereits im Juni, dass die Sperre nur die 27 EU-Staaten betrifft. Schweizer Nutzer können Siri AI auf dem iPhone verwenden, zum Start allerdings nur mit Englisch als Sprache.
Warum fünf Monate ein ehrgeiziger Wert sind
Ich halte die fünf Monate für einen sehr optimistischen Fall, und das liegt an Apples eigenem Vorschlag. Apple wollte Siri AI in der EU starten und den Trusted System Agent – die Schnittstelle, über die andere Assistenten auf dieselben Funktionen zugreifen sollen – schrittweise über 18 Monate nachliefern. Die Kommission hat das abgelehnt und Apples Begründung für den Aufschub öffentlich widersprochen.
Ein Kommissionssprecher hat zudem klargestellt, dass es keine Ausnahmen vom DMA geben werde. Für einen Start in diesem Zeitraum müsste sich also eine Seite deutlich bewegen: Apple mit einer schnelleren Öffnung für fremde Assistenten oder die Kommission mit einer Übergangsfrist, die sie bisher ausschließt. Warum die Interoperabilitätspflichten genau an iPhone und iPad hängen, steht im Hintergrund dazu, warum der DMA Siri AI auf iPhone und iPad stoppt.
Für das iPhone rechne ich damit, dass vor einem Signal aus Brüssel kein Termin kommt – und dass es bis dahin eher länger als fünf Monate dauert. Wer Siri AI bis dahin ausprobieren will, ist auf den Mac angewiesen.
Wer muss sich aus deiner Sicht zuerst bewegen: Apple mit einer schnelleren Öffnung für andere Assistenten oder die Kommission mit mehr Zeit für die Umsetzung? Schreib uns deine Prognose in die Kommentare.





