Drei Wochen vor dem Verkaufsstart läuft die Fertigung des iPhone Duo offenbar noch nicht rund. Nach einem Bericht aus der chinesischen Lieferkette schafft die Endmontage kaum mehr als sechs von zehn Geräten ohne Mangel. Bis zum Normalbetrieb könnte es nach Apples eigenen Maßstäben noch ein halbes bis ganzes Jahr dauern.
Die Angaben stammen aus einem Bericht des chinesischen Wirtschaftsmediums Jiemian vom 21. September. Eine Person aus dem Umfeld der Foxconn-Lieferkette nannte der Redaktion am 17. September eine Ausbeute von etwas über 60 Prozent in der Endmontage. Dazu kommen Angaben zu Engpässen bei Display und Scharnier sowie zu den geplanten Stückzahlen.
Dass es zum Start knapp werden könnte, zeichnete sich schon Mitte September ab, als von knappen Stückzahlen für Vorbesteller die Rede war. Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören zur ersten Welle: Vorbestellungen sind ab dem 16. Oktober möglich, ausgeliefert wird ab dem 23. Oktober. Die Daten, Preise und Termine zum iPhone Duo stehen fest, offen ist nur, wie viele Geräte es gibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Endmontage bei Foxconn soll Mitte September eine Ausbeute von gut 60 Prozent erreicht haben
- Nach Apples aktuellen Qualitätsmaßstäben könnten bis zur ausgereiften Fertigung sechs bis zwölf Monate vergehen
- Auch Displays von Samsung Display und Teile des Scharniers sollen verspätet oder in zu geringer Qualität geliefert worden sein
- Für 2026 soll Apple sechs bis acht Millionen Geräte vorhalten wollen, die Verkaufsvorgabe an den Handel liegt laut Bericht bei über fünf Millionen
- Die Lieferkette wartet offenbar darauf, ob Apple seine Qualitätsanforderungen lockert
Gut 60 Prozent und bis zu ein Jahr bis zur Reife
Die Ausbeute gibt an, welcher Anteil der montierten Geräte alle Prüfungen besteht. Gut 60 Prozent bedeuten, dass rund vier von zehn Geräten nachgearbeitet oder aussortiert werden müssen. Nach Angaben der Quelle braucht es unter Apples derzeitigen Maßstäben ein halbes bis ganzes Jahr, bis die Linie ein ausgereiftes Niveau erreicht.
Die Lieferkette warte deshalb auf eine Entscheidung aus Cupertino, ob die Qualitätsanforderungen gelockert werden. Nur dann sei eine schnellere Massenfertigung möglich. Einen einzelnen ungelösten technischen Fehler sieht die Quelle nicht: Es sei Apples erstes faltbares Telefon, und die Linie müsse im laufenden Betrieb immer wieder an Geräten, Arbeitsschritten und Einstellungen justiert werden.
Display und Scharnier als Engpass
Die Probleme sollen nicht erst bei Foxconn beginnen. Laut Jiemian gab es bei den faltbaren OLED-Panels von Samsung Display und bei Bauteilen des Scharniers zu geringe Ausbeuten, verspätete Lieferungen und Änderungen am Design. Jede Verzögerung weiter vorn in der Kette lässt dem Montagewerk weniger Zeit, die eigene Linie einzustellen.
Beim Scharnier soll Apple für einige Teile Flüssigmetall getestet und den Ansatz vor der Massenfertigung noch einmal überprüft haben. Das steht in Spannung zu früheren Berichten: Anfang Juni hieß es in einem Leak, das Scharnier bestehe aus Flüssigmetall und die Materialfrage sei entschieden. Der neue Bericht beschreibt Flüssigmetall dagegen als geprüfte und neu bewertete Option, nicht als gesetzte Lösung. Apple selbst nennt für das Scharnier mehr als 100 Einzelteile.
Ausbeute oder Menge
Ein zweiter Bericht geht auf das Weibo-Konto Fixed Focus Digital zurück, wiedergegeben am 23. September. Demnach soll der Auftragsfertiger Apple vor die Wahl gestellt haben: höhere Ausbeute oder mehr Menge. Wird die Linie schneller gefahren, entstehen mehr verkaufsfähige Geräte, aber auch mehr Ausschuss, dessen Kosten Apple tragen müsste.
Fixed Focus Digital ist ein bekanntes Leaker-Konto mit wechselnder Bilanz. Im Frühjahr widersprach es der Darstellung, das Scharnier sei die Hauptursache der Fertigungsprobleme – die aktuellen Berichte sehen genau dort einen der Engpässe. Einen Beleg in Form eines Dokuments nennt der Beitrag nicht.
Jiemian ist ein etabliertes Wirtschaftsmedium aus Shanghai, stützt sich aber auf eine einzelne ungenannte Quelle für die Ausbeute. Eine Einschätzung der Bank Mizuho vom 3. September geht laut Bericht in dieselbe Richtung: Scharnier und Falte bremsten die Serienfertigung.
Welche Zahlen im Raum stehen
Die Berichte nennen unterschiedliche Größen, die sich nicht direkt vergleichen lassen:
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Ausbeute der Endmontage (Stand 17.09.) | gut 60 Prozent | Jiemian, Quelle aus der Foxconn-Lieferkette |
| Vorgehaltene Menge 2026 | 6 bis 8 Millionen | Jiemian, Quelle aus der Lieferkette |
| Verkaufsvorgabe an den Handel 2026 | über 5 Millionen | Jiemian, Quelle aus dem Handel |
| Typische Menge je Pro- oder Pro-Max-Modell über den ganzen Zyklus | 20 bis 30 Millionen | Jiemian, Quelle aus der Lieferkette |
| Faltbare Smartphones weltweit 2025 | 18,2 Millionen | Omdia, zitiert von Jiemian |
Die vorgehaltene Menge beschreibt, wie viele Geräte bereitstehen sollen, die Verkaufsvorgabe, wie viele der Handel absetzen soll. Beides sind keine Auslieferungszahlen. Setzt man die Verkaufsvorgabe von über fünf Millionen ins Verhältnis zum gesamten Markt für faltbare Smartphones 2025, entspräche das mehr als einem Viertel davon – allein durch Apples erstes Modell.
Ein ungewöhnlich langer Anlauf
Zwischen Vorstellung und Verkaufsstart liegt beim Duo deutlich mehr Zeit als üblich. Die Keynote war am 9. September, die Vorbestellung beginnt 37 Tage später, der Verkauf 44 Tage später. Jiemian zählt vom 10. September Pekinger Zeit aus und kommt deshalb auf 36 und 43 Tage.
Bei den Herbst-iPhones der vergangenen fünf Jahre lagen laut der Auswertung von Jiemian im Schnitt nur etwa 3 Tage bis zur Vorbestellung und rund 10 Tage bis zum Verkaufsstart. Als Hauptgrund für den späten Termin nennt der Bericht die Lieferungen von Display und Scharnier.
Warum der 16. Oktober zählt
Für Käufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die gute Nachricht, dass sie zur ersten Welle gehören. Die schlechte: Eine Endmontage mit gut 60 Prozent Ausbeute und ein Anlauf, der erst in sechs bis zwölf Monaten reif sein soll, lassen wenig Spielraum für eine große Startmenge.
Ich rechne deshalb damit, dass die Lieferzeiten für das Duo schon am 16. Oktober schnell über den 23. Oktober hinausrutschen. Wer das Gerät zum Start haben will, sollte sich den Termin um 14 Uhr vormerken. Spannend wird vor allem, ob Apple seine Maßstäbe lockert – mehr Geräte kämen dann schneller, aber zu Bedingungen, die Apple bisher nicht akzeptiert hat.
Würdest du am 16. Oktober direkt bestellen, obwohl die Fertigung noch hakt, oder wartest du lieber, bis die ersten Geräte bei Käufern angekommen sind? Schreib uns deine Prognose in die Kommentare, wie lange die Lieferzeit am ersten Tag wird.





