Apple holt sich für den Neustart seiner Smart-Home-Plattform einen ungewöhnlichen Partner ins Haus. Türklingel, Türschloss, Thermostat und drei Kameras sollen gemeinsam mit LG entstanden sein – verkauft werden sie aber unter dem Namen des südkoreanischen Konzerns. Die ersten Zulassungsanträge liegen bereits bei US-Stellen.
Eine Woche vor der erwarteten Vorstellung der neuen Steuerzentrale zeichnet sich ab, dass Apple das Gerät nicht allein in die Wohnzimmer schicken will. Laut einem Bericht von Bloomberg hat Apple gemeinsam mit LG Electronics eine Reihe von Zubehörgeräten entwickelt. Sie sollen mit der Smart-Home-Zentrale, die bislang unter dem Namen HomePad gehandelt wird, einem neuen HomePod mini und einer neuen Apple-TV-Box zusammenarbeiten.
Bloomberg beschreibt das Vorhaben als formalen Neustart der Plattform, die heute als Apple Home läuft, und stützt sich auf Personen mit Kenntnis der Vorgänge. Ein Teil der Angaben lässt sich zudem an Zulassungsanträgen ablesen, die LG in den vergangenen Wochen gestellt hat.
Das Wichtigste in Kürze
- LG soll gemeinsam mit Apple eine Video-Türklingel, ein Türschloss, ein Thermostat, einen Temperatursensor sowie Innen-, Außen- und Flutlichtkameras entwickelt haben.
- Die Geräte tragen das LG-Logo, Fertigung und Kundendienst übernimmt LG.
- Mehrere Modelle unterstützen WLAN, Bluetooth, Thread und Matter, das Schloss zusätzlich Ultrabreitband.
- In den Anträgen bei der FCC und UL Solutions taucht Apple nicht auf, Fotos und Details hat LG bis Anfang kommenden Jahres sperren lassen.
- Zur Vorstellung am 13. Oktober werden die LG-Geräte nicht erwartet, sie sollen erst in einigen Monaten in den Handel kommen.
Sieben Geräte in den Zulassungsunterlagen
LG hat die Geräte bei der US-Fernmeldebehörde FCC und beim Prüfdienstleister UL Solutions angemeldet. In den Datenbanken beider Stellen stehen laut Bloomberg Produktnamen, technische Daten, Funktionen und Zeichnungen. Fotos und genauere Angaben hat LG bis Anfang kommenden Jahres vertraulich stellen lassen.
| Bezeichnung in den Unterlagen | Gerät |
|---|---|
| LG Video Doorbell Wired | Video-Türklingel mit Kabelanschluss |
| LG Smart Deadbolt Lock | Türschloss mit Motorriegel |
| LG Smart Thermostat | Thermostat |
| LG Temperature Sensor | Temperatursensor |
| LG Indoor Cam Plug-In | Innenkamera mit Netzstecker |
| LG Outdoor Cam Plug-In | Außenkamera mit Netzstecker |
| LG Floodlight Cam | Kamera mit Flutlicht |
Die Unterlagen belegen damit, dass es die Geräte gibt und dass LG ihre Markteinführung vorbereitet. Apples Rolle lässt sich aus ihnen dagegen nicht ablesen.
Apple entwickelt mit, LG gibt den Namen
Laut Bloomberg haben beide Unternehmen die Geräte gemeinsam entwickelt, verkauft werden sie aber ausschließlich als LG-Produkte. Fertigung und Kundendienst liegen bei LG. Apple kann so Design, Funktionsumfang und Technik mitbestimmen, ohne die Kosten und den Aufwand für Produktion und Betreuung einer ganzen Zubehörreihe selbst zu tragen.
Bloomberg nennt die Partnerschaft selbst ungewöhnlich. Die Existenz der sieben Geräte ist durch die Behördenunterlagen dokumentiert, die Beteiligung Apples stützt sich dagegen allein auf ungenannte Personen – in den Anträgen kommt Apple nicht vor.
Thread, Matter und Ultrabreitband im Türschloss
Mehrere der Geräte funken laut Bericht per WLAN, Bluetooth, Thread und Matter. Das Türschloss beherrscht zusätzlich Ultrabreitband, was eine automatische Entriegelung erlauben soll, sobald man sich der Tür nähert. Ultrabreitband-Chips stecken in allen iPhones seit dem iPhone 11 mit Ausnahme von iPhone 16e und iPhone 17e, außerdem in der Apple Watch ab Series 6.
Beim Temperatursensor überschneidet sich die LG-Reihe mit Geräten, die bereits in vielen Haushalten stehen. HomePod mini und HomePod (2. Generation) messen Temperatur und Luftfeuchtigkeit schon heute, und ihre Werte lassen sich in Automationen über den Temperatursensor des HomePod nutzen. Ein separater Sensor ergänzt das vor allem in Räumen ohne Lautsprecher.
Die Türklingel kommt von LG
Ende 2024 war noch von einer Apple-eigenen Türklingel mit Face ID die Rede, die Bewohner erkennen und kompatible Schlösser von Drittanbietern entriegeln sollte – frühestens 2026. Der aktuelle Bericht führt die Klingel dagegen als LG-Produkt, und das passende Schloss gleich mit dazu. Wo zuvor Apple die Klingel und andere Hersteller das Schloss liefern sollten, kommen beide jetzt aus einer Hand.
Eigene Geräte plant Apple laut Bloomberg trotzdem weiter: ein auf Datenschutz ausgelegtes Gerät zur Überwachung der Wohnung, eine Version der Zentrale mit Bildschirm an einem Roboterarm und einen Dienst zur Sicherheitsüberwachung des Zuhauses. Bei den Kameras stehen damit künftig zwei Linien nebeneinander – die drei LG-Modelle und die Sicherheitskamera, an der Apple laut früheren Berichten selbst arbeitet.
Am 13. Oktober noch ohne LG
Die neue Zentrale, der HomePod mini und das Apple TV 4K werden laut Bloomberg am 13. Oktober vorgestellt. Die LG-Geräte sollen frühestens in einigen Monaten bei Kunden ankommen.
LG hat Fotos und Details bis Anfang kommenden Jahres sperren lassen. Ich rechne deshalb nicht vor Anfang 2027 mit Bildern, Preisen und einem Verkaufsstart der LG-Reihe.
Warum Matter mehr zählt als das LG-Logo
Ich halte die Konstruktion für den interessantesten Teil der Meldung. Apple bekommt ein komplettes Zubehörsortiment rund um die Zentrale, ohne Lager, Kundendienst und Gewährleistung für Türschlösser und Thermostate übernehmen zu müssen. Für Käufer entscheidet am Ende weniger das Logo als der Standard: Wo Matter an Bord ist, sind die Geräte nicht an Apple gebunden und funktionieren grundsätzlich auch in anderen Systemen.
Dokumentiert sind bislang ausschließlich US-Verfahren bei FCC und UL Solutions. Ein Schloss für Apple Home gibt es hierzulande aber längst: Die aktuellen Modelle des österreichischen Herstellers Nuki lassen sich laut Nukis eigener Hilfeseite per Matter über Thread in Apple Home einbinden. Hast du bereits einen HomePod mini, einen HomePod (2. Generation) oder ein Apple TV 4K mit 128 GB, ist die nötige Thread-Steuerzentrale schon vorhanden.
Würdest du ein Türschloss für Apple Home kaufen, auf dem LG steht – oder wartest du lieber, ob Apple doch noch eigene Geräte für die Haustür bringt? Schreib uns in die Kommentare, was bei dir an der Tür hängt.





