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WhatsApp im Fokus: Klage zweifelt Verschlüsselung an

Milan Jovicic by Milan Jovicic
3. Februar 2026 - 15:28 CET
in Apple News
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WhatsApp Verschlüsselung

Bild: Shutterstock / Ink Drop

WhatsAppFacebookE-Mail
Threads

WhatsApp gehört für viele zum Alltag. Ein zentrales Verkaufsargument der App ist seit Jahren die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die private Kommunikation schützen soll. Eine aktuelle Sammelklage stellt dieses Versprechen jedoch infrage. Der Vorwurf lautet: WhatsApp und der Mutterkonzern Meta könnten entgegen aller Aussagen auf sämtliche Nachrichten zugreifen. Sollte das zutreffen, hätte das erhebliche Konsequenzen für das Vertrauen in den Messenger.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung war bei WhatsApp von Anfang an politisch und gesellschaftlich umstritten. Während Nutzer darin Schutz der Privatsphäre sehen, kritisieren Behörden den fehlenden Zugriff auf Inhalte. Die jetzt eingereichte Klage greift diese Spannung auf und behauptet, dass die Verschlüsselung gar nicht existiere. Ein renommierter Kryptografie-Professor hat sich dazu öffentlich geäußert und die Vorwürfe eingeordnet.

Wie WhatsApp die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung beschreibt

Die WhatsApp-Gründer Jan Koum und Brian Acton entwickelten den Messenger mit dem Ziel, Kommunikation vollständig Ende-zu-Ende-verschlüsselt zu übertragen. Nach diesem Prinzip sollen nur die jeweiligen Chat-Teilnehmer über die nötigen Schlüssel verfügen. Nachrichten laufen zwar über WhatsApp-Server, liegen dort aber ausschließlich verschlüsselt vor. Laut WhatsApp kann weder das Unternehmen selbst noch der Eigentümer Meta Platforms diese Inhalte entschlüsseln oder mitlesen.

Die Vorwürfe der Klage

Die Sammelklage widerspricht dieser Darstellung grundsätzlich. Sie behauptet, WhatsApp speichere verschlüsselte Kommunikation so, dass Meta dennoch Zugriff darauf habe. Laut den Aussagen von Whistleblowern gebe es interne Prozesse, über die Meta-Mitarbeiter relativ unkompliziert Zugang zu WhatsApp-Nachrichten erhalten könnten.

Demnach reiche eine interne Anfrage an ein Ingenieurteam aus, um Zugriff auf Nachrichten zu bekommen. Dieser Zugriff soll nahezu in Echtzeit möglich sein, zeitlich unbegrenzt gelten und sogar Nachrichten umfassen, die Nutzer für gelöscht halten. Die Klage stellt damit nicht eine einzelne Sicherheitslücke in den Raum, sondern ein systematisches Modell, mit dem Inhalte innerhalb des Unternehmens abrufbar seien.

Sollten diese Behauptungen zutreffen, wäre die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von WhatsApp faktisch wertlos und das Vertrauen von Milliarden Nutzern massiv erschüttert.

Einschätzung eines Kryptografie-Experten

Der Kryptograf Matthew Green von der Johns Hopkins University hat sich in einem ausführlichen Blogbeitrag mit den Vorwürfen befasst. Er bestätigt zunächst einen bekannten Punkt: WhatsApp nutzt zwar ein Verschlüsselungssystem, das auf dem Signal-Protokoll basiert, der konkrete WhatsApp-Code ist jedoch nicht Open Source. Eine vollständige unabhängige Überprüfung ist daher nicht ohne Weiteres möglich.

Trotzdem hält Green die Vorwürfe für äußerst unwahrscheinlich. Er argumentiert, dass ein derartiges System früher oder später auffliegen müsste. Selbst ohne offenen Quellcode existieren zahlreiche ältere Versionen der WhatsApp-App, die sich dekompilieren lassen. Wenn Schlüssel oder Nachrichten heimlich abgegriffen würden, müssten sich dafür Spuren im Code finden lassen.

Zudem weist er auf das enorme Risiko hin, das Meta eingehen würde. Über ein so zentrales Sicherheitsversprechen zu lügen, während technische Analysen grundsätzlich möglich sind, würde das Unternehmen rechtlich und wirtschaftlich massiv angreifbar machen. Green bezeichnet ein solches Vorgehen sinngemäß als extrem unklug.

Vertrauen als unvermeidlicher Faktor

Zum Abschluss greift Green die Gedanken des Informatikpioniers Ken Thompson aus dessen Vortrag „Reflections on Trusting Trust“ auf. Die Kernaussage: In komplexen Systemen bleibt immer ein Rest an Vertrauen, weil nicht jeder jede Zeile Code selbst überprüfen kann.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob Vertrauen nötig ist, sondern ob es im konkreten Fall sinnvoll erscheint. Green kommt zu dem Schluss, dass es derzeit keine konkreten Beweise für die Behauptung gibt, WhatsApp begehe einen historischen Betrug. Unter dieser Annahme sei es rational, dem Verschlüsselungsversprechen zu glauben – ähnlich wie bei iMessage und FaceTime, deren Verschlüsselungsimplementierungen ebenfalls nicht vollständig offenliegen.

Schwere Vorwürfe gegen WhatsApp bei dünner Beweislage

Die Klage gegen WhatsApp erhebt außergewöhnlich schwere Vorwürfe, liefert dafür bislang aber keine belastbaren Belege. Damit die Anschuldigungen zutreffen, müssten sowohl die WhatsApp-Gründer als auch Meta über Jahre hinweg bewusst eine der größten Täuschungen der Tech-Geschichte aufrechterhalten haben. Zusätzlich würde ein angeblich etablierter interner Zugriff auf Nachrichten voraussetzen, dass sehr viele Personen davon wissen – was langfristig schwer geheim zu halten wäre. Aktuell steht damit eine Klage mit weitreichenden Vorwürfen einer fachlichen Einschätzung gegenüber, die diese mangels konkreter Beweise als wenig plausibel einordnet. (Bild: Shutterstock / Ink Drop)

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Milan hat Apfelpatient 2016 gegründet und verantwortet seit 2018 sämtliche redaktionellen Inhalte – News, Gerüchte, Anleitungen und Produkttests. Apple-Geräte sind hier kein Testmaterial für zwei Wochen, sondern Alltagswerkzeug: Vom iPhone über MacBook Pro, MacBook Air und iMac bis zur Apple Vision Pro läuft aus fast jeder Produktkategorie mindestens ein Gerät im täglichen Einsatz, viele davon jährlich erneuert. Jeder Menüpfad in einer Anleitung wird am Gerät nachgeprüft, bevor er veröffentlicht wird.

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