Das Urteil über 634 Millionen US-Dollar im Patentstreit mit Masimo stand bereits fest – jetzt kommen die Zinsen dazu. Ein US-Bundesrichter hat Apple zusätzlich 184 Millionen Dollar auferlegt. Ganz so teuer wie von Masimo verlangt wird es trotzdem nicht.
Über die Entscheidung berichtet Bloomberg Law. Richter James V. Selna vom Bezirksgericht für den zentralen Bezirk Kaliforniens hat Apple verpflichtet, auf den Schadenersatz Zinsen für die Zeit vor dem Urteil zu zahlen. Damit steigt die Summe auf rund 818 Millionen Dollar.
Im Juli war Apple mit dem Versuch gescheitert, das Geschworenenurteil zu kippen oder einen neuen Prozess zu erzwingen. Offen war danach nur noch die Frage der Zinsen. Der Streit ist einer von mehreren zwischen den beiden Unternehmen rund um die Apple Watch.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple muss auf den Schadenersatz von 634 Millionen Dollar zusätzlich 184 Millionen Dollar Zinsen zahlen.
- Die Summe steigt damit auf rund 818 Millionen Dollar, Zinsen ab dem Urteil kommen noch hinzu.
- Masimos Forderung nach einem Zinssatz von 7 Prozent hat das Gericht abgelehnt.
- Das Patent ist im Juni 2022 abgelaufen; aktuelle Apple-Watch-Modelle sind nicht betroffen.
Warum das Gericht Zinsen zuspricht
Apple hatte argumentiert, Zinsen für die Zeit vor dem Urteil wären für Masimo ein unverdienter Zugewinn. Selna sah das anders und stützte sich auf Vorgaben des Obersten US-Gerichtshofs. Danach stellen solche Zinsen den Patentinhaber nur so, als hätte er die Lizenzzahlungen rechtzeitig erhalten.
Masimo wird damit für die Zeit entschädigt, in der ihm die Lizenzgebühren entgangen sind, die es während der Patentverletzung hätte bekommen müssen. Die 184 Millionen Dollar entsprechen gut 29 Prozent des ursprünglichen Schadenersatzes.
Wo Masimo nicht durchkam
Masimo hatte einen Zinssatz von 7 Prozent verlangt. Damit wären die Zinsen auf 243 Millionen Dollar gestiegen. Das Gericht legte stattdessen Masimos eigenen Kreditzins zugrunde, jährlich verzinst ab Beginn der Patentverletzung.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Schadenersatz laut Geschworenenurteil (November 2025) | 634 Mio. US-Dollar |
| Zinsen vor dem Urteil, vom Gericht zugesprochen | 184 Mio. US-Dollar |
| Summe | rund 818 Mio. US-Dollar |
| Zinsen bei Masimos gefordertem Satz von 7 Prozent | 243 Mio. US-Dollar |
Die Differenz zu Masimos Forderung beträgt 59 Millionen Dollar. Nicht enthalten sind die Zinsen, die ab dem Urteil weiterlaufen, bis Apple zahlt.
Worum es im Verfahren geht
Im November 2025 hatte eine Jury entschieden, dass Funktionen der Apple Watch wie die Benachrichtigungen bei hoher Herzfrequenz ein Pulsoximetrie-Patent von Masimo verletzen. Das Patent lief im Juni 2022 aus. Das Urteil betrifft damit Verkäufe aus der Vergangenheit und hat keine Auswirkungen auf die Herzfrequenzfunktionen aktueller Modelle.
Davon getrennt läuft der Streit um die Blutsauerstoffmessung, der in den USA zu einem Einfuhrverbot für bestimmte Modelle geführt hatte. Im April hatte die US-Handelsbehörde ITC das Verfahren um ein erneutes Einfuhrverbot beendet.
Ein teurer Weg durch die Instanzen
Ich halte die Zinsentscheidung für die logische Folge von Apples Strategie, das Verfahren über Jahre durch alle Instanzen zu ziehen. Je länger der Streit dauert, desto mehr Zinsen laufen auf – und die Zählung beginnt nicht beim Urteil, sondern beim Beginn der Verletzung. Apple hat bereits angekündigt, in Berufung zu gehen, und bis dahin wächst die Summe weiter.
Für Apple-Watch-Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert die Entscheidung nichts. Sie betrifft Schadenersatz für US-Verkäufe aus den Jahren bis 2022, keine Funktion auf den Geräten.
Hältst du Apples Weg durch alle Instanzen für richtig, oder wäre ein früher Vergleich am Ende günstiger gewesen? Schreib uns in die Kommentare, wie deine Rechnung aussieht.





