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OpenAI baut mit Jony Ive eigene Geräte, Apple liegt mit dem Unternehmen vor Gericht. Marketingchef Greg Joswiak gibt sich trotzdem gelassen. Im TIME-Porträt über John Ternus erklärt er, für wen Apple seine KI baut – und für wen ausdrücklich nicht.
Die Aussagen stammen aus dem Porträt „John Ternus Is Engineering a New Era for Apple“ von TIME-Korrespondent Andrew R. Chow. Neben Apple-Chef Ternus kommen darin Greg Joswiak, Senior Vice President für weltweites Marketing, und Lilian Rincon zu Wort, die Apples KI-Produkte verantwortet. Der Text erscheint als Eintrag des iPhone Duo in TIMEs Liste der besten Erfindungen 2026, aus dem auch Ternus’ Urteil über die ersten Foldables der Konkurrenz stammt.
TIME stellt Apple dabei in einen deutlichen Gegensatz zum Rest der Branche. Microsoft, Google, Meta, Amazon, Nvidia, OpenAI und Anthropic investieren Hunderte Milliarden Dollar in immer leistungsfähigere Modelle, während Apple laut TIME zwar eigene Modelle trainiert, aber weit von der Spitze entfernt ist. Siri AI läuft auf einem Apple-Modell, das Technik aus Googles Gemini nutzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Joswiak sieht in OpenAIs Hardwareplänen keine Bedrohung: Apples Integration ermögliche ein besseres Erlebnis als bei jedem anderen.
- Apple baue KI für „normale Menschen“, nicht für die KI-Avantgarde, die Joswiak als „lunatic fringe“ bezeichnet.
- Ternus erwartet nicht, dass KI das iPhone überflüssig macht: Menschen wollten „physische Dinge“.
- Rincon sagt, Siri AI sei bewusst nicht als Begleiter gestaltet.
- Auf dem iPhone steht Siri AI in der EU bisher nicht zur Verfügung, Deutsch gehört noch nicht zu den unterstützten Sprachen.
OpenAIs Geräte: “Wir fühlen uns nicht bedroht”
Die Konkurrenz kommt aus Apples eigener Geschichte. OpenAI hat im vergangenen Jahr das Start-up von Jony Ive übernommen, Apples langjährigem Designchef, und entwickelt mit ihm und weiteren früheren Apple-Leuten eigene Geräte für ChatGPT. Im Juli verklagte Apple OpenAI wegen des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen aus der Hardwareentwicklung, OpenAI hält die Klage für unbegründet. Am 14. Oktober hat OpenAI vor Gericht zugesagt, die strittigen Informationen nicht zu verwenden, ohne die Vorwürfe einzuräumen.
Joswiak sieht in den Plänen trotzdem keine Gefahr:
Wir fühlen uns nicht bedroht. Dass wir so integrieren können, wie wir es können, bedeutet, dass wir ein besseres Erlebnis schaffen können als irgendjemand sonst.
TIME stützt das mit Zahlen: 2,5 Milliarden aktive Geräte und ein Jahresumsatz von fast einer halben Billion Dollar.
Nicht für die “Lunatic Fringe”
Laut TIME baut Apple eine bescheidene, aber persönliche und datenschutzfreundliche Form von KI, die normalen Menschen tatsächlich helfen soll, statt die „lunatic fringe“ im Silicon Valley zu beeindrucken – die verrückte Randgruppe, wie Joswiak es formuliert. Wer der Superintelligenz hinterherjagt, gehört ausdrücklich nicht zur Zielgruppe:
Wir mögen sie, und sie können es auch nutzen, aber das ist nicht unser Ziel. Es geht darum, es für normale Menschen besser zu machen.
Rincon ergänzt, Apple habe Siri AI bewusst nicht als Begleiter gestaltet und wolle menschliche Verbindungen nicht ersetzen. Weniger Rechenleistung als bei anderen KI-Agenten bedeute zugleich ein geringeres Risiko, dass das System aus dem Ruder läuft.
Ternus: Das iPhone bleibt
Ternus geht noch einen Schritt weiter. Selbst wenn anderen Unternehmen eine Superintelligenz gelingt, würden Nutzer laut Ternus über Apple-Geräte mit ihr sprechen wollen. Beim Verkaufsstart der Pro-Modelle im Apple Store an der Fifth Avenue sagte er:
Die Menschen wollen physische Dinge. Sie wollen reden, Bilder ihrer Liebsten sehen, Fotos machen. Ich sehe also kein Szenario, in dem unsere Geräte plötzlich verschwinden und wir kein iPhone mehr brauchen.
Dass Apple für Siri AI auf Google zurückgreift, sieht Ternus nicht als Abkehr vom Anspruch, alles selbst zu kontrollieren. Apple stelle schließlich auch Displays, Speicher und Modems nicht durchweg selbst her:
Wir haben nicht wirklich das Ziel, jedes einzelne Teil eines Produkts selbst zu machen. Wir machen die Dinge, bei denen wir uns wirklich abheben können.
Siri AI basiert auf Gemini-Technik, ist aber selbst kein Gemini.
Der Alltagsnutzer in der EU wartet noch
Das Versprechen gilt hierzulande nur eingeschränkt. Ternus begründet den Nutzen von Siri AI mit den persönlichen Daten auf dem Telefon – Nachrichten, E-Mails, Kalender. Genau auf dem iPhone steht Siri AI in der EU laut Apples Mitteilung zum iPhone Duo aber zunächst nicht zur Verfügung. In der Schweiz ist das anders, Siri AI ist dort auf dem iPhone verfügbar.
Hinzu kommt die Sprache. Siri AI startete mit iOS 27 als Beta auf Englisch, im Oktober folgen Französisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch und Spanisch. Deutsch ist nicht dabei. Wer in der Schweiz Siri AI auf dem iPhone nutzen will, braucht deshalb eine der unterstützten Sprachen. Welche Funktionen in der EU sonst noch fehlen, sammelt die Übersicht Diese Apple-Funktionen fehlen in der EU.
Gelassenheit mit offener Flanke
Ich halte Joswiaks Gelassenheit beim Thema Hardware für berechtigt. Ein neues Gerät von OpenAI muss erst einmal gegen 2,5 Milliarden Apple-Geräte antreten, die Menschen bereits besitzen und täglich nutzen. Dass Apple parallel vor Gericht gegen genau dieses Projekt vorgeht, passt allerdings nicht ganz zur demonstrativen Ruhe.
Schwerer wiegt für Leser im deutschsprachigen Raum, dass Apples KI-Versprechen für „normale Menschen“ hier noch nicht eingelöst ist. Solange Siri AI weder auf dem iPhone in der EU läuft noch Deutsch versteht, bleibt die Strategie für die meisten Siri-AI-Interessierten hierzulande ein Ausblick.
Würdest du ein KI-Gerät von OpenAI ausprobieren, wenn es ohne iPhone auskommt – oder bleibt für dich das Smartphone der Ort, an dem KI stattfindet? Schreib uns deine Einschätzung in die Kommentare.





