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Jahrelang hat Apple die Preise für Flash-Speicher diktiert. Jetzt sitzen die Hersteller am längeren Hebel, und Apple zahlt ein Vielfaches. Ein Bericht des Wall Street Journal zeigt, wie hart Apple früher verhandelt hat und warum sich das jetzt rächt.
Das Wall Street Journal beschreibt in einem Bericht von Rolfe Winkler, wie Apple über Jahre mit seinen Lieferanten für Flash-Speicher umgegangen ist. Die Zeitung stützt sich auf Aussagen von Managern aus der Speicherbranche, auf Analysten und auf Schätzungen des Marktforschers TechInsights. Apple ließ über einen Sprecher ausrichten, man arbeite mit vielen Zulieferern seit Jahrzehnten zusammen und schätze die Partnerschaft sehr.
Der Bericht fügt sich in eine Debatte, die seit dem Sommer läuft. Im Juni hatte Micron angedeutet, dass auch Apple die Speicherkrise mitverursacht haben soll, ohne Apple beim Namen zu nennen. Das Journal liefert jetzt die konkreten Episoden dazu.
Das Wichtigste in Kürze
- Flash-Speicher kostet laut TechInsights rund fünfmal so viel wie vor einem Jahr, getrieben von Rechenzentren für KI.
- Apple dürfte 2026 für etwa dieselbe Menge Flash rund 25 Milliarden Dollar ausgeben, nach 6 Milliarden Dollar im Vorjahr.
- Vor zwei Jahren kaufte Apple fast doppelt so viel Flash wie Microsoft, Amazon, Meta und Google zusammen, heute kaufen die großen Cloud-Anbieter doppelt so viel wie Apple.
- Laut Bericht verlangte Apple jahrelang Einblick in Geschäftszahlen und Bestpreisgarantien, ein Apple-Manager soll einem Hersteller offen gedroht haben.
Wie Apple früher verhandelt hat
Über Jahre war Apple der größte Abnehmer von Flash-Speicher weltweit. Laut Journal nutzte das Unternehmen diese Stellung konsequent und drängte Zulieferer über Jahre, detaillierte Geschäfts- und Betriebszahlen offenzulegen. So wollte Apple sicherstellen, dass kein anderer Kunde günstigere Konditionen bekam. Apple ließ sich zudem als bevorzugter Kunde mit Bestpreisgarantie festschreiben.
Wie groß der Frust war, zeigt eine Szene aus dem Bericht: Ein Vertriebsmanager des japanischen Herstellers Kioxia, früher Toshiba Memory, schoss in der Wüste mit einem Gewehr auf seinen alten iPod. Mark Newman von Bernstein Research sagt, die Hersteller hätten sich von Apples Preismacht über den Tisch gezogen gefühlt. Walt Coon von TechInsights formuliert es so:
Apple hat mit den Speicherherstellern schon immer äußerst hart verhandelt.
Die Sandisk-Episode und ihr Nachspiel bei Micron
Die schärfste Szene spielt Ende 2015. Sandisk lehnte damals zusätzliche Liefermengen für Apple ab, weil andere Kunden mehr zahlten. Apples damaliger Einkaufschef Tony Blevins soll daraufhin einem Sandisk-Vertriebler gedroht haben, er werde Sandisk-Chef Sanjay Mehrotra auf Knien kriechen lassen.
Mehrotra führt heute Micron, einen der großen Speicherhersteller. Auch mit Micron hatte Apple laut Journal schon Streit: Vor mehr als zehn Jahren erwischte Apple das Unternehmen dabei, Flash an einen anderen Kunden günstiger zu verkaufen, und erstritt in einem Schiedsverfahren einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe.
Aus genau diesem Unternehmen kam im Juni der Hinweis, man habe Kunden, die im letzten Abschwung sehr aggressiv bei den Preisen aufgetreten seien, gesagt, das sei nicht konstruktiv. Micron-Manager Sumit Sadana nannte damals keinen Namen. Mit dem Bericht des Journal ist der Zusammenhang deutlich naheliegender als vor vier Monaten.
Was Speicher Apple heute kostet
Seit dem Boom bei KI-Rechenzentren haben sich die Machtverhältnisse umgekehrt. Flash-Speicher kostete 2023 rund 5 Cent pro Gigabyte, inzwischen sind es laut Bericht mehr als 30 Cent. Die großen Cloud-Anbieter haben Apple als wichtigste Kunden abgelöst und binden die Hersteller mit langfristigen Verträgen: Meta, Microsoft und Amazon haben in diesem Jahr laut Journal solche Verträge mit Kioxia geschlossen und sich darin auf höhere Preise festgelegt.
| Kennzahl | Früher | Heute |
|---|---|---|
| Flash-Preis pro Gigabyte | rund 5 Cent (2023) | mehr als 30 Cent |
| Apples Ausgaben für Flash laut TechInsights, bei etwa gleicher Menge | 6 Mrd. Dollar (2025) | rund 25 Mrd. Dollar (Erwartung 2026) |
| Apples Flash-Einkauf im Vergleich zu den großen Cloud-Anbietern | fast doppelt so viel wie Microsoft, Amazon, Meta und Google zusammen (vor zwei Jahren) | halb so viel wie die großen Cloud-Anbieter |
| Apples Kosten für die Verdopplung von 256 auf 512 GB | 15 Dollar (iPhone 17 Pro, 2025) | rund 66 Dollar (iPhone 18 Pro) |
Für das Upgrade von 256 auf 512 GB zahlen Kunden in den USA 200 Dollar Aufpreis. Beim iPhone 17 Pro blieben Apple davon bei 15 Dollar Speicherkosten 185 Dollar Rohertrag, beim iPhone 18 Pro sind es bei rund 66 Dollar noch rund 134 Dollar. Das Geschäft mit dem Speicher-Upgrade bleibt also lukrativ, der Ertrag pro Gerät ist aber um gut ein Viertel geschrumpft.
Der Hebel liegt jetzt bei den Herstellern
Laut Journal ignorierte Apple Warnungen von Analysten und wurde von der Entwicklung überrascht. Tim Cook hat den Anstieg der Speicherpreise inzwischen mit einer Jahrhundertflut verglichen. Am 25. Juni erhöhte Apple die Preise für Macs, iPads und weitere Geräte und begründete das mit den Speicherkosten.
Eine Entspannung ist nicht in Sicht. SK Hynix hat Ende Oktober mitgeteilt, dass DRAM und HBM bis 2029 praktisch ausverkauft sind, und erwartet die Knappheit bis 2030. Für das kommende Jahr stehen bereits Berichte im Raum, nach denen Apple für iPhone-Speicher 2027 noch einmal deutlich mehr zahlen soll.
Warum die Revanche bei Kunden ankommt
Ich halte den Bericht für mehr als eine Branchenanekdote. Er erklärt, warum Apple in der Speicherkrise kaum Verbündete hat: Wer jahrelang Bestpreise erzwungen hat, bekommt im Engpass keine Vorzugsbehandlung. Die Cloud-Anbieter dagegen haben sich mit langfristigen Verträgen und höheren Preisen gebunden, und ich gehe davon aus, dass die Hersteller sie im Engpass bevorzugt bedienen.
Für Käufer im deutschsprachigen Raum ist das keine ferne Lieferkettenfrage, die Preisrunde vom Juni galt auch hierzulande. Mit Knappheit bis 2030 und höheren Einkaufspreisen für 2027 im Raum rechne ich nicht damit, dass Apple die Preise im kommenden Jahr wieder senkt.
Hättest du Apple die harte Linie gegenüber den Zulieferern verziehen, solange die Geräte günstig blieben – oder findest du es fair, dass sich der Spieß jetzt umdreht? Schreib uns in den Kommentaren, auf welcher Seite du stehst.





