Indien erhöht erneut den Druck auf Apple. Die Regierung fordert im Rahmen neuer Sicherheitsvorgaben unter anderem Zugriff auf den iOS-Quellcode. Offiziell geht es um nationale Sicherheit und den Schutz vor Cyberbedrohungen. In der Praxis würde diese Forderung jedoch tief in Apples Sicherheitsarchitektur eingreifen. Alles deutet darauf hin, dass dieser Vorstoß scheitern wird.
Seit Jahren versuchen Regierungen weltweit, mehr Kontrolle über Smartphones und Betriebssysteme zu erlangen. Updates, Verschlüsselung, vorinstallierte Apps und Zugriffsmöglichkeiten für Behörden stehen dabei immer wieder im Fokus. Indien hat sich in diesem Umfeld zu einem besonders aktiven Akteur entwickelt. Für Apple ist das Land ein wichtiger Produktions- und Absatzmarkt, gleichzeitig aber auch eine wachsende regulatorische Herausforderung. Die aktuelle Debatte um den iOS-Quellcode ist nur der jüngste Ausdruck dieses Konflikts.
Neue Sicherheitsstandards ohne globalen Präzedenzfall
Konkret geht es um ein Paket mit 83 vorgeschlagenen Sicherheitsstandards, das ursprünglich bereits 2023 entworfen wurde. Erst jetzt prüft die indische Regierung jedoch, diese Vorgaben als gesetzliche Anforderungen umzusetzen. Die Standards decken eine breite Palette an Themen ab und betreffen nahezu alle großen Smartphone-Hersteller.
Laut Reuters haben Apple, Google, Samsung, Xiaomi sowie der Branchenverband MAIT gemeinsam Einwände erhoben. Der zentrale Kritikpunkt lautet, dass es für viele dieser Forderungen keinen internationalen Präzedenzfall gibt. Zudem würden sie die Offenlegung proprietärer und sicherheitsrelevanter Details erzwingen.
Ein Teil der Anforderungen gilt als vergleichsweise moderat. Dazu zählen die Pflicht, die Regierung über wichtige Software-Updates zu informieren, detaillierte Sicherheitsprüfungsprotokolle für einen Zeitraum von zwölf Monaten zu erstellen und aufzubewahren sowie Nutzer regelmäßig dazu aufzufordern, ihre App-Berechtigungen zu überprüfen.
Die Forderung nach Offenlegung des Quellcodes
Deutlich problematischer sind die weitergehenden Anforderungen. Indien verlangt, dass Hersteller ihren Quellcode offenlegen und diesen zur Überprüfung an von der Regierung benannte Labore übergeben. Dort soll der Code auf Schwachstellen getestet werden.
Genau an diesem Punkt stoßen die Pläne auf massiven Widerstand. Laut einem vertraulichen Dokument von MAIT ist eine solche Quellcodeprüfung aufgrund von Geheimhaltungs- und Datenschutzanforderungen nicht umsetzbar. Zusätzlich wird darauf hingewiesen, dass wichtige Märkte in der EU, in Nordamerika, Australien und Afrika keinerlei vergleichbare Regelungen kennen.
Apples klare Haltung beim Thema Sicherheit
Unabhängig von der politischen Diskussion gilt es als äußerst schwierig, Apple überhaupt von einer Quellcode-Offenlegung zu überzeugen. Das Unternehmen schützt seine sensibelsten Software-Komponenten seit jeher sehr konsequent. Zwar wurden in der Vergangenheit einzelne Bestandteile offengelegt, etwa im Zuge von Open-Source-Elementen bei OS X El Capitan im Jahr 2015. Zentrale Teile von iOS blieben jedoch immer unter Verschluss.
Ein bekanntes Beispiel ist die seit Jahren andauernde Debatte um Verschlüsselung. Regierungen weltweit fordern immer wieder Hintertüren, um verschlüsselte Inhalte einsehen zu können. Apple hat sich dem bislang konsequent verweigert. Diese Haltung geht so weit, dass der Konzern in Großbritannien lieber bestimmte Datenschutzfunktionen deaktivieren würde, als seine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufzuweichen.
Dasselbe Argument lässt sich auf den Quellcode übertragen. Durch eine Offenlegung würden besonders sensible sicherheitsrelevante Elemente sichtbar. Das könnte es Angreifern erleichtern, Schwachstellen zu identifizieren. Selbst wenn Regierungen betonen, dass ihre Prüflabore sicher seien, gibt es aus Sicht großer Technologieunternehmen dafür keine verlässliche Garantie. Aus Apples Perspektive ist es daher plausibel zu argumentieren, dass es sicherer ist, den Quellcode gar nicht erst weiterzugeben.
Anhaltender regulatorischer Druck aus Indien
Der aktuelle Bericht reiht sich in eine Serie von Maßnahmen ein, mit denen Indien in den vergangenen Jahren versucht hat, Tech-Unternehmen stärker zu regulieren. Dazu gehörte zuletzt die Forderung, die staatlich genehmigte App „Sanchar Saathi“ auf neuen Smartphones vorzuinstallieren. Die Regierung begründete dies mit dem Kampf gegen Cyberbedrohungen und der Reduzierung von Geräten auf dem Schwarzmarkt.
Ende 2025 versuchte Indien außerdem, Apple und Google zur Vorinstallation staatlich unterstützter Apps zu bewegen. Zeitweise wurde sogar angedeutet, dass entsprechende Gesetzesänderungen folgen könnten. Nachdem diese Pläne öffentlich bekannt wurden, zog die Regierung jedoch schnell zurück.
Bereits 2023 gab es einen ähnlichen Vorstoß. Damals sollten Apple und andere Hersteller Sicherheitsupdates vorab zur staatlichen Prüfung einreichen. Ein namentlich nicht genannter Beamter erklärte ohne Ironie, dass vorinstallierte Apps eine Sicherheitslücke darstellen könnten und man sicherstellen wolle, dass keine anderen Länder, einschließlich China, diese ausnutzen. Der Vorgang wurde als Frage der nationalen Sicherheit dargestellt.
Datenschutz und Sicherheit haben für Apple Vorrang
Es erscheint äußerst unwahrscheinlich, dass Apple Indien Zugriff auf den iOS-Quellcode gewährt. Selbst im Fall gesetzlicher Zwänge dürfte das Unternehmen nur den absolut minimal notwendigen Code offenlegen und sich rechtlich gegen weitergehende Forderungen wehren. Die Risiken für Sicherheit und Datenschutz sind aus Apples Sicht zu hoch.
Der Fall zeigt erneut, wie stark staatliche Kontrollinteressen und technische Sicherheitskonzepte miteinander kollidieren können. Für Apple bleibt der Schutz der eigenen Plattformen zentral. Genau deshalb dürfte auch dieser Versuch Indiens am Ende ohne das gewünschte Ergebnis bleiben. (Bild: Shutterstock / Tee11)
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