Noch hat Apple kein MacBook mit OLED-Display vorgestellt, doch der Markt rechnet bereits fest damit. Ein Marktforscher hat seine Erwartung für OLED-Notebook-Displays in diesem Jahr kräftig angehoben und nennt das kommende MacBook Pro als einen der Haupttreiber. Für Mini-LED sieht es dagegen düster aus.
Counterpoint Research erwartet in einem aktuellen Bericht vom 8. Oktober, dass die Auslieferungen von OLED-Displays für Notebooks 2026 um 50 Prozent steigen. Im April hatte derselbe Marktforscher für das Segment noch ein Plus von 33 Prozent angesetzt und Apple schon damals zum Treiber des OLED-Notebook-Marktes erklärt. Die neue Zahl kommt knapp drei Wochen vor dem Termin, an dem Apple laut Bloomberg das erste MacBook Pro mit OLED-Touchscreen vorstellen will.
Das Wichtigste in Kürze
- Counterpoint erwartet 2026 ein Plus von 50 Prozent bei OLED-Notebook-Displays, im April waren es noch 33 Prozent.
- Als Treiber nennt der Marktforscher Apples erwarteten OLED-Wechsel beim MacBook Pro und die Nachfrage nach teuren KI-Notebooks.
- Im Premium-Segment soll OLED 2026 auf drei Viertel der Displays kommen, nach 56 Prozent im Vorjahr.
- Mini-LED-Displays für Notebooks sollen 2026 um 38 Prozent und 2027 um weitere 60 Prozent einbrechen.
- Der gesamte Markt für Notebook-Displays schrumpft dagegen um 3 Prozent, weil teurer Speicher die Nachfrage bremst.
Was die neue Prognose zeigt
Counterpoint unterscheidet zwischen dem Gesamtmarkt für Notebook-Displays und den fortgeschrittenen Displays, zu denen der Marktforscher OLED und Mini-LED zählt. Während der Gesamtmarkt 2026 um 3 Prozent zurückgehen soll, wächst das Premium-Segment um 11 Prozent. Als Grund für die Schwäche des Gesamtmarkts nennt der Bericht die anhaltend steigenden Speicherkosten, die Notebooks insgesamt teurer machen.
Innerhalb des Premium-Segments verschiebt sich das Gewicht deutlich. 2025 waren OLED und Mini-LED laut Counterpoint noch fast gleichauf, 2026 soll OLED drei von vier Premium-Displays stellen.
| Anteil am Premium-Segment | 2025 | 2026 |
|---|---|---|
| OLED | 56 % | 75 % |
| Mini-LED | 44 % | 25 % |
Auf das OLED-Plus von 50 Prozent in diesem Jahr soll 2027 ein weiteres von 24 Prozent folgen.
| Segment | 2026 | 2027 |
|---|---|---|
| Notebook-Displays gesamt | −3 % | – |
| OLED und Mini-LED zusammen | +11 % | – |
| OLED | +50 % | +24 % |
| Mini-LED | −38 % | −60 % |
Aus den beiden OLED-Werten ergibt sich, dass 2027 knapp doppelt so viele OLED-Notebook-Displays ausgeliefert würden wie 2025. Bei Mini-LED bliebe im selben Zeitraum nur rund ein Viertel der Menge von 2025 übrig. Als Gründe für den Rückgang nennt Counterpoint die dünnere Bauweise von OLED, die bessere Bildqualität und sinkende Kosten.
Warum gerade Apple den Ausschlag gibt
Das aktuelle MacBook Pro nutzt ein Mini-LED-Display, das Apple als Liquid Retina XDR vermarktet. Für die kommende Generation in 14 und 16 Zoll berichtet Bloomberg von einem OLED-Display mit Touchscreen und erstmals einer Dynamic Island. Das Panel dafür soll laut früheren Berichten exklusiv von Samsung Display kommen. Der erwartete Start des Geräts, das in Berichten auch MacBook Ultra heißt, hat sich in diesem Jahr mehrfach verschoben: Im April galt noch Anfang 2027, inzwischen ist es Oktober.
Counterpoint spricht ausdrücklich von einer erwarteten Einführung. Bestätigt hat Apple weder das Gerät noch den Termin, Bloomberg nennt eine Vorstellung am oder um den 27. Oktober. In derselben Runde sollen auch ein Einstiegs-MacBook-Pro und ein iMac mit M6 sowie ein iPad mini mit OLED kommen – zwei Wochen nach dem Termin „Welcome home“ am 13. Oktober, der die Apple-Neuheiten im Oktober 2026 eröffnet.
Was OLED im Notebook günstiger machen soll
Neben der Nachfrage nennt Counterpoint mehrere technische Entwicklungen, die OLED für Notebooks attraktiver und billiger machen sollen:
- Tandem-OLED mit zwei übereinanderliegenden Leuchtschichten für mehr Helligkeit, geringeren Stromverbrauch und längere Lebensdauer. Apple nutzt diese Bauweise bereits im iPad Pro.
- Neue Fertigungsverfahren von Visionox und LG Display, die Material besser ausnutzen und die Ausbeute erhöhen sollen.
- Phosphoreszierende blaue OLED-Emitter, die den Stromverbrauch der Panels senken sollen.
- Größere Produktionslinien der Generation 8.7, die die Herstellungskosten drücken sollen.
Bis 2030 rechnet Counterpoint mit jährlichen Wachstumsraten von 26 Prozent bei den ausgelieferten OLED-Notebook-Panels und von 35 Prozent beim Umsatz, jeweils gerechnet ab 2024. Über sechs Jahre hieße das etwa viermal so viele Panels und rund sechsmal so viel Umsatz. Der Umsatz wächst damit schneller als die Stückzahl, ein einzelnes Panel würde im Schnitt also wertvoller.
Ein Display allein verkauft noch kein Notebook
Ich halte die angehobene Prognose vor allem für eine Wette auf Apple. Ein Plus von 50 Prozent in einem Segment, das bislang vor allem aus teuren Windows-Notebooks besteht, setzt voraus, dass ein Hersteller mit großen Stückzahlen auf einen Schlag umsteigt. Der Analyst David Naranjo betont selbst, dass das Wachstum davon abhängt, ob Fortschritte bei den Panels in überzeugende Produkte zu konkurrenzfähigen Preisen münden.
Wie schnell eine solche Rechnung kippen kann, zeigt das iPad Pro: Für das OLED-Modell wurden im ersten Quartal laut Omdia nur rund 820.000 Panels ausgeliefert statt der kalkulierten 1,3 Millionen, ein Rückstand von 37 Prozent. Ich sehe den Preis als Hauptgrund dafür. Ob das MacBook Pro mit OLED die Prognose trägt, entscheidet sich deshalb weniger am Display als am Euro-Preis, den Apple Ende Oktober nennt. Wer ohnehin vor dem Kauf eines MacBook Pro steht, sollte diesen Termin abwarten.
Würdest du für ein OLED-Display mit Touchscreen spürbar mehr zahlen als für das aktuelle MacBook Pro, oder reicht dir Mini-LED völlig? Schreib uns in die Kommentare, wo deine Schmerzgrenze liegt.





