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Seit dem 29. Oktober erscheint auf iPhones von Bundestagsabgeordneten und Regierungsmitgliedern eine Warnung, die Apple nur bei gezielten Angriffen verschickt. Apple meldet einen gezielten Angriff mit Spionagesoftware, das BSI rät den Betroffenen, ihr Gerät als kompromittiert zu betrachten. Wer dahintersteckt, ist nicht bekannt.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat am Sonntag einen Bericht des ARD-Hauptstadtstudios bestätigt, wonach mobile Geräte von Bundestagsabgeordneten und Mitgliedern der Bundesregierung angegriffen worden sein sollen. Im „Bericht aus Berlin“ sprach er laut tagesschau.de von einer Meldung von Apple, dass „bestimmte Geräte gegebenenfalls kompromittiert wurden mit sogenannter Spyware“. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.
Die Warnungen gehören zu Apples Bedrohungsbenachrichtigungen, mit denen der Konzern Nutzer seit 2021 vor sogenannter Söldner-Spyware warnt. Zuletzt hatte Apple im August Nutzer in 110 Ländern gewarnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit dem 29. Oktober erhalten iPhones von Bundestagsabgeordneten und Regierungsmitgliedern Apples Bedrohungsbenachrichtigung.
- Digitalminister Wildberger hat den Vorgang bestätigt, das BSI hat nach seinen Worten alle Betroffenen schriftlich informiert.
- Das BSI empfiehlt, vorsorglich von einem kompromittierten Gerät auszugehen.
- Wie viele Politiker betroffen sind und wer angegriffen hat, ist öffentlich nicht bekannt.
Was im Brief des BSI steht
Dem ARD-Hauptstadtstudio liegt ein Schreiben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik vor. Demnach haben iPhones seit dem 29. Oktober eine Bedrohungsbenachrichtigung von Apple erhalten, nach der ein Angriff mit sogenannter Mercenary Spyware erkannt worden sei. Zum Hintergrund schreibt das BSI, dass ihm über den konkreten Anlass „derzeit keine näheren Informationen“ vorliegen.
Ob ein Angriff tatsächlich erfolgreich war, geht aus Apples Benachrichtigung nicht hervor. Das BSI empfahl den Betroffenen deshalb, „vorsorglich davon auszugehen, dass das Gerät kompromittiert sein kann“. Welche Abgeordneten oder Regierungsmitglieder die Warnung bekommen haben, ist bislang nicht öffentlich.
Wie Apples Warnungen funktionieren
Apple beschreibt die Benachrichtigungen in einem Support-Dokument zu Bedrohungsbenachrichtigungen als Warnungen mit hoher Zuverlässigkeit, auch wenn die eigenen Untersuchungen nie absolute Gewissheit erreichen. Gemeint sind Angriffe mit Söldner-Spyware, die sich gezielt gegen einzelne Personen richten. Seit 2021 hat Apple nach eigenen Angaben Nutzer in mehr als 150 Ländern benachrichtigt.
Die Warnung erscheint auf dem Sperrbildschirm und in den Einstellungen des iPhones. Zusätzlich verschickt Apple eine E-Mail an die Adressen des Apple Accounts, und nach der Anmeldung auf account.apple.com erscheint ein Banner. Wer angegriffen hat, gibt Apple grundsätzlich nicht an.
Zeitlich fällt der Fall mit einer neuen weltweiten Welle zusammen. Ende Oktober veröffentlichte der Sicherheitsforscher Costin Raiu den Text einer neuen Apple-Benachrichtigung, die sich an Nutzer in 99 Ländern richtet.
| Zeitraum | Länder mit Benachrichtigungen |
|---|---|
| seit 2021 insgesamt | mehr als 150 |
| Welle August 2026 | 110 |
| Welle Ende Oktober 2026 | 99 |
Warum der Fall über den Bundestag hinausgeht
Laut BSI könnten Angreifer damit Nachrichten auch aus verschlüsselten Messengern, Anrufe, Kontakte, Kalender und den Standort auslesen sowie Mikrofon und Kamera einschalten. Bei Abgeordneten und Regierungsmitgliedern betrifft das nicht nur private Daten, sondern potenziell vertrauliche Kommunikation.
Pikant ist der Fall auch, weil deutsche Behörden selbst Spähsoftware nutzen: 2021 bestätigte das Bundeskriminalamt den Einsatz von Pegasus. Programme wie Pegasus nutzen auf dem iPhone in der Regel unbekannte Sicherheitslücken und können ohne Zutun des Opfers aufs Gerät gelangen, was kommerzielle Spyware auf dem iPhone so schwer erkennbar macht.
Was Betroffene und alle anderen tun sollten
Ich halte die Empfehlung des BSI für richtig, gerade weil die Benachrichtigung keinen erfolgreichen Angriff belegt. Wer ein Gerät mit vertraulicher Kommunikation nutzt, sollte bei einer solchen Warnung nicht auf Gewissheit warten. Apple rät Betroffenen, Expertenhilfe zu holen und den Blockierungsmodus einzuschalten, der viele Angriffswege abschneidet.
Für die meisten iPhone-Nutzer bleibt das Risiko gering, weil sich diese Angriffe gegen einzelne, ausgewählte Personen richten. Wer dennoch eine solche Warnung bekommt, prüft sie am besten direkt unter account.apple.com. Laut Apple fordert eine echte Bedrohungsbenachrichtigung nie dazu auf, Links anzuklicken, Dateien zu öffnen, Apps oder Profile zu installieren oder das Passwort oder einen Bestätigungscode preiszugeben. Für alle anderen bleiben die Grundregeln der Cybersecurity auf dem iPhone entscheidend: Updates zeitnah installieren und den Apple Account mit Zwei-Faktor-Authentifizierung schützen.
Hältst du es für richtig, dass Abgeordnete nach einer solchen Warnung ihr iPhone komplett austauschen, oder reicht dir der Blockierungsmodus als Antwort? Schreib uns in den Kommentaren, welche Konsequenz du an ihrer Stelle ziehen würdest.





