Brüssel sucht nach einem Weg, Tech-Konzerne stärker an der Finanzierung der EU zu beteiligen, ohne einen Handelsstreit mit den USA auszulösen. Statt einer Digitalsteuer soll es eine jährliche Pauschale für alle sehr großen Unternehmen werden. Apple wäre davon betroffen, aber nicht allein.
Die EU-Kommission erwägt laut einem Bericht der Financial Times, einen bereits vorliegenden Vorschlag für eine Unternehmensabgabe umzubauen. Die Zeitung beruft sich auf EU-Beamte. Ziel ist es, mehr Geld von großen Tech-Konzernen wie Apple, Google und Meta einzunehmen, ohne sie gezielt herauszugreifen.
Grundlage ist die sogenannte Corporate Resource for Europe, kurz CORE. Die Kommission hatte sie im Juli 2025 als eine von fünf neuen Einnahmequellen für den EU-Haushalt vorgeschlagen, zusammen mit dem Entwurf für den langfristigen Haushalt von 2028 bis 2034.
Das Wichtigste in Kürze
- Die EU-Kommission erwägt laut Financial Times, ihren Vorschlag für eine jährliche Pauschalabgabe großer Unternehmen umzubauen.
- Die Abgabe soll alle sehr großen Konzerne erfassen statt gezielt Digitaldienste und so einen Konflikt mit den USA vermeiden.
- Im bisherigen Vorschlag zahlen Unternehmen ab 100 Millionen Euro Nettoumsatz zwischen 100.000 und 750.000 Euro im Jahr.
- Die Höhe der künftigen Beiträge steht noch nicht fest, zuerst sollen sich die 27 Mitgliedstaaten auf das Prinzip einigen.
So funktioniert der bisherige Vorschlag
Im aktuellen Entwurf gilt CORE für Unternehmen mit Steuersitz in der EU sowie für EU-Betriebsstätten von Konzernen aus Drittstaaten, sofern ihr jährlicher Nettoumsatz 100 Millionen Euro übersteigt. Gezahlt wird keine prozentuale Steuer, sondern eine feste Pauschale je nach Umsatzstufe. Einziehen würden sie die Mitgliedstaaten im Auftrag der EU.
| Jährlicher Nettoumsatz | Jährlicher Beitrag |
|---|---|
| bis 100 Millionen Euro | keiner |
| über 100 bis unter 250 Millionen Euro | 100.000 Euro |
| 250 bis unter 500 Millionen Euro | 250.000 Euro |
| 500 bis unter 750 Millionen Euro | 500.000 Euro |
| ab 750 Millionen Euro | 750.000 Euro |
Insgesamt rechnet die Kommission laut ihren Berechnungen für den Rat mit rund 6,8 Milliarden Euro pro Jahr.
Warum Brüssel umbauen will
An CORE gab es zwei Kritikpunkte, die der Umbau laut FT auffangen soll. Zum einen hätte die Abgabe viele mittelgroße europäische Firmen getroffen. Zum anderen zahlt ein Konzern mit vielen Milliarden Euro Umsatz in der obersten Stufe denselben Betrag wie ein Unternehmen knapp über 750 Millionen Euro.
Die neue Fassung soll deshalb Schwellen und Beiträge so anpassen, dass nur sehr große Konzerne erfasst werden und von ihnen mehr Geld kommt. Weil die Abgabe dabei nicht auf Digitaldienste zielt, hofft die Kommission, keine Vergeltungszölle aus Washington auszulösen. Auf den früheren, stärker auf Digitaldienste zugeschnittenen Ansatz hatte das Weiße Haus laut FT mit genau solchen Drohungen reagiert.
Wo Apple betroffen wäre
Apple betreibt in der EU mehrere Gesellschaften, darunter seinen europäischen Vertriebssitz in Irland, und fällt mit seinen Umsätzen klar in die oberste Stufe. Nach dem bisherigen Modell wäre der Beitrag pro Gesellschaft dennoch auf 750.000 Euro im Jahr begrenzt. Ob und wie stark sich das ändert, hängt an den neuen Beitragshöhen, und die hat die Kommission noch nicht festgelegt.
Auf nationaler Ebene gibt es solche Vorstöße bereits: Im März plante Polen eine eigene Steuer auf Dienste großer Tech-Konzerne. Eine EU-weite Pauschale würde solche nationalen Vorstöße nicht automatisch ersetzen, verfolgt aber einen anderen Ansatz: Sie knüpft am Umsatz des gesamten Unternehmens an und nicht an bestimmten Diensten.
Warum ich die Abgabe für Apple als Nebenschauplatz sehe
Ich halte die Meldung für eine Haushaltsfrage der EU, nicht für eine Apple-Frage. Apple ist einer von sehr vielen Konzernen, die unter die oberste Stufe fallen würden, und die bisherige Höchstpauschale ist im Verhältnis zu Apples Geschäft in Europa eine Randgröße. Interessant wird es erst, wenn die Kommission konkrete neue Beträge nennt.
Hinzu kommt der lange Weg: Eine neue Einnahmequelle für den EU-Haushalt braucht die Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten im Rat und danach die Billigung in den nationalen Parlamenten. Die Kommission selbst peilt für ihre neuen Einnahmequellen den 1. Januar 2028 an. Ich rechne deshalb nicht damit, dass eine umgebaute Abgabe früher greift.
Sollte die EU sehr große Konzerne wie Apple stärker zur Kasse bitten – oder fürchtest du, dass die Kosten am Ende über die Preise bei den Kunden landen? Schreib uns in die Kommentare, wo du die Grenze ziehen würdest.





