Der weltweite Smartwatch-Markt ist im zweiten Quartal 2026 erstmals seit einem Jahr geschrumpft. Apple hat in diesem Umfeld als einziger der drei größten Anbieter zweistellig zugelegt und den Abstand zur Nummer eins deutlich verkürzt. Einen Tag vor der Keynote beschreiben die Zahlen genau den Stand, den die nächste Generation ablösen soll.
Die Auswertung stammt aus dem Global Smartwatch Shipments Tracker von Counterpoint Research und wurde am 7. September veröffentlicht. Der Bericht zum zweiten Quartal 2026 erfasst die Monate April bis Juni – das letzte vollständige Quartal, in dem ausschließlich die Modelle vom Herbst 2025 im Handel waren.
Damit markieren die Zahlen den Ausgangspunkt für die erwartete Apple Watch Series 12 und die Apple Watch Ultra 4, die beide am 9. September auf der Bühne erwartet werden. Apples Marktposition ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich stabiler, als es der Blick auf den Gesamtmarkt vermuten lässt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der weltweite Smartwatch-Markt gab um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal nach – der erste Rückgang seit einem Jahr.
- Apple wuchs um 14 Prozent und kommt auf 20,1 Prozent Anteil, das stärkste Wachstum unter den fünf größten Anbietern.
- Huawei bleibt mit 21,8 Prozent an der Spitze, wuchs aber nur um 1 Prozent; rund 80 Prozent des Volumens stammen aus China.
- Apple Watch Series 11 und Apple Watch SE 3 stehen zusammen für über 80 Prozent der Auslieferungen von Apple.
- Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Counterpoint nur rund 1 Prozent Wachstum, bis 2030 dann durchschnittlich 3 Prozent pro Jahr.
Der Abstand zur Nummer eins halbiert sich
Apple und Huawei liegen so dicht beieinander wie lange nicht. Ein Jahr zuvor kam Apple auf rund 17 Prozent, Huawei auf knapp 21 – der Abstand betrug also 3,8 Prozentpunkte. Jetzt sind es 1,7 Prozentpunkte, und das bei einem Markt, der insgesamt kleiner geworden ist.
| Marke | Anteil Q2 2026 | Veränderung ggü. Vorjahr |
|---|---|---|
| Huawei | 21,8 % | +1 % |
| Apple | 20,1 % | +14 % |
| Imoo | 7,8 % | −3 % |
| Xiaomi | 6,1 % | −38 % |
| Garmin | 5,6 % | +11 % |
| Übrige Anbieter | 38,5 % | −8 % |
Neben Apple und Huawei wuchs nur Garmin, mit 11 Prozent aus einem deutlich kleineren Sockel heraus. Der schwerste Einbruch traf Xiaomi mit einem Minus von 38 Prozent. Auch die Sammelgruppe der übrigen Marken verlor 8 Prozent – dort sitzen die günstigen Modelle, die den Markt jahrelang mengenmäßig getragen haben.
Zwei Modelle tragen über vier Fünftel
Bemerkenswert ist die Konzentration innerhalb von Apples eigenem Sortiment: Apple Watch Series 11 und Apple Watch SE 3 kamen zusammen auf über 80 Prozent der weltweiten Auslieferungen. Für die Apple Watch Ultra 3 und alle älteren Modelle bleibt in Summe weniger als ein Fünftel.
Das ist deshalb interessant, weil Counterpoint ausgerechnet die Blutdruck-Funktionen als einen der Gründe nennt, aus denen Kunden künftig wieder aufrüsten sollen. Die Bluthochdruck-Mitteilungen setzen mindestens eine Apple Watch Series 9 oder eine Apple Watch Ultra 2 voraus – die gesamte SE-Reihe bleibt außen vor, auch die aktuelle SE 3. Eines der beiden meistverkauften Apple-Modelle des Quartals kann die Funktion also gar nicht anbieten.
Hierzulande ist das kein regulatorisches Thema: Die Mitteilungen sind seit dem Start von watchOS 26 im September 2025 in mehr als 150 Ländern freigeschaltet, die EU eingeschlossen. Wie die Uhr dabei vorgeht und warum sie keinen Messwert anzeigt, hat Apple bei der Einführung selbst erläutert.
China bestimmt die Rangliste
Der Grund für Huaweis Vorsprung liegt fast vollständig in einem einzigen Land. Rund 80 Prozent der weltweiten Huawei-Auslieferungen entfielen auf China, und China erreichte mit 38 Prozent den höchsten Anteil am globalen Smartwatch-Absatz, den das Land je hatte.
Der chinesische Markt wuchs um 7 Prozent und lag damit knapp hinter Nordamerika, das noch etwas stärker zulegte. Getragen wurde das Plus von der Vorliebe für heimische Marken sowie vom staatlichen Subventionsprogramm für Unterhaltungselektronik. Unter den fünf größten Anbietern wuchs Apple auch in China am schnellsten – nach einem Rückgang im Vorjahresquartal.
Warum der Markt insgesamt nachgibt
Counterpoint führt den Rückgang auf zwei getrennte Bewegungen zurück. Im günstigen Segment verzichten Käufer zunehmend auf einen Nachfolger, weil die Geräte nur wenige Messwerte erfassen. Im teureren Segment behalten Nutzer ihre Uhr länger, weil sie auf angekündigte Neuvorstellungen warten.
Der zweite Punkt betrifft unmittelbar die kommenden Tage: Wer im Frühsommer eine neue Uhr aufgeschoben hat, bekommt am 9. September um 19:00 Uhr MESZ die Antwort. Der Livestream lässt sich auf mehreren Wegen verfolgen.
Für 2026 rechnet das Institut deshalb nur mit rund 1 Prozent Wachstum. Die längerfristige Erwartung von 3 Prozent pro Jahr bis 2030 stützt sich auf Gesundheits- und KI-Funktionen: lokal ausgeführte KI auf dem Handgelenk, Blutdruck-Erkennung und das Rennen um eine nicht-invasive Blutzuckermessung. Dieselbe Argumentation trägt auch die Prognose eines Wearables-Umsatzes von einer Billion Dollar bis 2032.
Gemessen wird ein Quartal ohne neue Modelle
Zwei Dinge sollte man beim Lesen solcher Zahlen auseinanderhalten. Counterpoint zählt ausgelieferte Stückzahlen an den Handel, Apple selbst weist ausschließlich Umsätze aus und fasst die Uhren dabei mit Zubehör und Home-Produkten zusammen. Das hier vermessene Kalenderquartal April bis Juni ist zudem Apples drittes Geschäftsquartal, über das der Konzern Ende Juli berichtet hat – dieselbe Zeitspanne, zwei verschiedene Messgrößen.
Praktisch heißt das für dich: Die 14 Prozent beschreiben ein Quartal, in dem Apple nichts Neues vorgestellt hat und trotzdem gegen den Trend gewachsen ist. Das ist die stärkere Aussage, weil sie ohne Neuheitseffekt zustande kommt – und sie erklärt zugleich, warum eine vorsichtige Erneuerung der Series 12 für Apple kein Risiko wäre. Wer heute kauft, greift zu einem Modell, das sich ein volles Quartal lang als das meistverkaufte der Reihe behauptet hat.
Wartest du bewusst auf die neue Generation – oder wäre die Series 11 mit den bereits verfügbaren Gesundheitsfunktionen für dich ohnehin die vernünftigere Wahl? Sag uns in den Kommentaren, worauf es dir bei der nächsten Uhr ankommt.



