Kopfhörer, Uhren, Ringe, Brillen: Der Markt für am Körper getragene Technik soll in den kommenden sieben Jahren mehr Geld einspielen als je zuvor. Bemerkenswert ist dabei weniger die Summe als das Verhältnis – der Umsatz wächst doppelt so schnell wie die Stückzahlen. Menschen kaufen nicht mehr Geräte, sondern teurere.
Prognosen über sieben Jahre sind mit Vorsicht zu lesen, dennoch beschreibt diese eine Verschiebung, die sich bereits an Apples Zahlen ablesen lässt. Das Marktforschungsunternehmen Counterpoint Research rechnet damit, dass der weltweite Markt für Consumer-Wearables zwischen 2026 und 2032 kumuliert über eine Billion US-Dollar umsetzt. Interessanter als die Gesamtsumme ist, welche Gerätegattungen den Betrag tragen – und in welcher davon Apple bislang gar nicht vertreten ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Der weltweite Wearables-Umsatz soll zwischen 2026 und 2032 kumuliert über eine Billion US-Dollar erreichen.
- Der Umsatz wächst mit zwölf Prozent jährlich doppelt so schnell wie die Stückzahlen mit sechs Prozent.
- Smartwatches und kabellose Ohrhörer bleiben die größten Gattungen und stehen zusammen für 558 Milliarden Dollar.
- Smarte Brillen sollen 2032 rund ein Fünftel des Umsatzes ausmachen und gehören zu den am schnellsten wachsenden Bereichen.
- Apple führt in den beiden größten Kategorien – bei smarten Brillen ist der Konzern noch nicht am Markt.
Teurer statt mehr
Die aussagekräftigste Zahl des Berichts ist kein Umsatzwert, sondern ein Verhältnis. Zwölf Prozent jährliches Umsatzwachstum stehen sechs Prozent bei den ausgelieferten Stücken gegenüber. Der Markt wächst also vor allem, weil Käufer zu höherwertigen Geräten greifen, nicht weil mehr Menschen ein Wearable kaufen.
| Kennzahl | Angabe des Berichts |
|---|---|
| Kumulierter Umsatz 2026–2032 | über 1.000 Milliarden US-Dollar |
| Smartwatches und Ohrhörer zusammen | 558 Milliarden US-Dollar |
| Jährliches Umsatzwachstum | 12 Prozent |
| Jährliches Stückzahlwachstum | 6 Prozent |
| Anteil smarter Brillen im Jahr 2032 | rund ein Fünftel |
Als Treiber nennt der Bericht durchgehende Gesundheitsüberwachung, Mobilfunk direkt im Gerät, bessere Sensoren und KI, die auf dem Gerät selbst rechnet. Bei kabellosen Ohrhörern sieht Counterpoint das Wachstum dagegen gebremst, weil sich die Ausstattung angeglichen hat und der Preiskampf zunimmt.
Von der Fitness zur Vorsorge
Den eigentlichen Bruch beschreibt der Bericht an anderer Stelle: Der Anwendungszweck verschiebt sich vom Zählen sportlicher Aktivität hin zur Vorsorge – zu Geräten, die ein Problem melden, bevor der Träger es selbst bemerkt. Anshika Jain, als Principal Analyst für den Bereich verantwortlich, sieht darin den Grund, warum aus einem Zubehörteil ein Gerät wird, das regelmäßig ersetzt wird.
Dazu passt eine Bemerkung von Research Director Mohit Agrawal zur Technik: Rechenleistung ist bei einem Gerät, das direkt auf der Haut sitzt und einen Tag durchhalten muss, nicht das entscheidende Kriterium. Wärmeentwicklung und Akku sind es. Wer diese Beschränkung besser löst, setzt sich durch – ein Argument, das Apples eigener Chipentwicklung entgegenkommt.
Zwei Kategorien geführt, eine verpasst
Für Apple liest sich die Aufstellung zweigeteilt. In den beiden umsatzstärksten Gattungen ist der Konzern mit AirPods und Apple Watch führend vertreten. Im vergangenen Quartal setzte der Bereich Wearables, Home und Zubehör 7,88 Milliarden Dollar um, ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber den 7,40 Milliarden des Vorjahresquartals. Bei der Apple Watch verzeichnete Apple im Juni-Quartal so viele Umsteiger wie nie zuvor, und mehr als die Hälfte der Käufer erwarb erstmals eine.
Anders sieht es bei smarten Brillen aus. Diese Gattung soll bis 2032 auf rund ein Fünftel des gesamten Wearables-Umsatzes zulegen – und dort verkauft Apple bislang nichts. Nach den bisher bekannten Erwartungen zu den Apple Glasses liegt der Marktstart frühestens Ende 2027. Bis dahin verteilt sich das Wachstum auf Wettbewerber, die bereits liefern.
Auch die kleineren, schnell wachsenden Gattungen bearbeitet Apple bisher nicht. Zu einem Ring und zu Anhängern mit Sensoren gibt es Berichte, aber kein Produkt; ein Code-Fund in iOS 27 deutete zuletzt auf ein Wearable mit Kameras hin.
Der Wettbewerb verschiebt sich weg vom Datenblatt
Die Schlussfolgerung des Berichts ist für Apple die günstigste Nachricht darin: Der Vorteil verlagert sich von einzelnen Geräteeigenschaften hin zur Kontrolle über das Ökosystem. Wer Software, Datenschutz, Entwicklerangebot und Partnerschaften zusammenhält, bindet Kunden länger.
Das beschreibt ziemlich genau, warum AirPods und Apple Watch trotz technisch ebenbürtiger Konkurrenz ihre Position halten. Gleichzeitig ist es kein Freibrief. Bei smarten Brillen entsteht gerade eine neue Gattung, und dort zählt Ökosystem-Bindung erst, wenn überhaupt ein Gerät existiert. Unsere Erwartung: Der Rückstand bei Brillen wird Apple nicht den Anschluss kosten, weil die Kategorie bis 2032 noch mehrfach ihre Form wechselt – teuer wird er trotzdem, weil die Wettbewerber in dieser Zeit Nutzungsgewohnheiten prägen.
Für dich als Käufer heißt das vor allem eines: Die spannenden Geräte der nächsten Jahre werden nicht die sein, die zählen, wie viel du dich bewegst, sondern die, die etwas bemerken, bevor du es tust.
Traust du einem Gerät am Handgelenk zu, dir einen gesundheitlichen Hinweis zu geben, bevor du selbst etwas spürst – oder ist dir das zu viel Verantwortung für einen Sensor? Schreib uns in die Kommentare, wo für dich die Grenze zwischen nützlich und übergriffig verläuft.
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