Der Markt für kabellose Ohrhörer ist im zweiten Quartal erstmals seit drei Jahren geschrumpft – Apple hat trotzdem zugelegt und bleibt mit großem Abstand vorn. Das eigentliche Wachstum findet aber in einer Bauform statt, in der AirPods gar nicht vorkommen.
Die Zahlen stammen aus einer aktuellen Auswertung des Marktforschers Omdia zum zweiten Quartal 2026, also April bis Juni. Omdia zählt dabei Auslieferungen an den Handel, nicht Verkäufe an Endkunden. Die AirPods 5 mit Aktiver Geräuschunterdrückung ab 149 Euro, die seit heute im Handel sind, stecken in den Werten noch nicht drin.
Das Wichtigste in Kürze
- Weltweit wurden 82,1 Millionen True-Wireless-Ohrhörer ausgeliefert, 0,7 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.
- Apple lieferte 16,8 Millionen Geräte aus, ein Plus von 1,2 Prozent und ein Marktanteil von 20,5 Prozent.
- Offene Modelle, die den Gehörgang frei lassen, wuchsen um 12 Prozent auf 11,1 Millionen Einheiten.
- Apple taucht in der Rangliste dieser offenen Modelle nicht auf – obwohl Apple selbst von einem Open-Ear Design spricht.
Apple wächst gegen den Markt
Der Rückgang des Gesamtmarkts ist der erste im Jahresvergleich seit dem zweiten Quartal 2023. Den größten Anteil daran hat das chinesische Festland, der weltweit größte Markt für diese Geräteklasse. Dort gingen die Auslieferungen laut Omdia um 9,5 Prozent zurück, weil staatliche Kaufanreize für Unterhaltungselektronik ausliefen und ein Teil der Ersatzkäufe bereits 2025 stattgefunden hatte. Auch in den USA und in Indien sanken die Zahlen.
Apple hat in diesem Umfeld rund 200.000 Geräte mehr ausgeliefert als im Vorjahresquartal. Außer Apple hat unter den fünf größten Herstellern nur OPPO zugelegt, bei Xiaomi, Samsung und Huawei gingen die Zahlen zurück.
| Hersteller | Q2 2026 (Mio.) | Marktanteil | Q2 2025 (Mio.) | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Apple | 16,8 | 20,5 % | 16,6 | +1,2 % |
| Xiaomi | 8,6 | 10,4 % | 8,8 | −3,1 % |
| Samsung | 5,5 | 6,7 % | 5,7 | −2,9 % |
| Huawei | 5,1 | 6,2 % | 5,7 | −10,6 % |
| OPPO | 4,1 | 5,0 % | 3,6 | +14,9 % |
| Gesamtmarkt | 82,1 | 100 % | 82,7 | −0,7 % |
Der Abstand an der Spitze ist beträchtlich: Apple hat fast doppelt so viele Geräte ausgeliefert wie Xiaomi auf Platz zwei. Samsung, Huawei und OPPO kommen zusammen auf 14,7 Millionen Einheiten und damit auf weniger als Apple allein.
Offene Ohrhörer als Wachstumstreiber
Omdia trennt den Markt in zwei Klassen. Klassische Modelle sitzen im Ohr oder halb im Ohr, offene Modelle lassen den Gehörgang frei – etwa als Clip am Ohrrand oder mit Bügel hinter dem Ohr. Während die klassischen Modelle um 2 Prozent zurückgingen, wuchsen die offenen um 12 Prozent. Ihr Anteil am Gesamtmarkt stieg damit von 12,0 auf 13,5 Prozent.
Clip-Modelle machen 61 Prozent der offenen Ohrhörer aus, Bügelmodelle 39 Prozent. Besonders stark wuchsen zwei Preisklassen: Geräte unter 50 Dollar legten um 323 Prozent zu, das Segment zwischen 100 und 199 Dollar um 253 Prozent. Marktführer ist Shokz mit 1,1 Millionen Einheiten, gefolgt von Sanag, Huawei, Baseus und Edifier.
Das Wachstum hat sich allerdings deutlich abgeschwächt. Für das dritte Quartal 2025 hatte Omdia bei den offenen Modellen noch ein Plus von 69 Prozent gemeldet. Für die kommenden Jahre rechnet der Marktforscher trotzdem mit einer Verdopplung: von 43,9 Millionen Einheiten im laufenden Jahr auf 90,5 Millionen im Jahr 2030. Das wäre dann knapp jedes fünfte ausgelieferte Paar kabelloser Ohrhörer.
Warum Apples Open-Ear Design nicht als offen zählt
Apple bewirbt die AirPods 5 in der deutschen Pressemitteilung mit der besten Aktiven Geräuschunterdrückung bei einem Open-Ear Design. Gemeint ist die Bauform ohne Silikonaufsätze, die schon die AirPods 4 hatten. Omdia zählt halb im Ohr sitzende Modelle zu den klassischen – und genau so sitzen AirPods ohne Silikonaufsätze. Entsprechend fehlt Apple in der Rangliste der offenen Ohrhörer: Der Hersteller mit den meisten Auslieferungen im Gesamtmarkt spielt im am schnellsten wachsenden Teil keine Rolle.
Trotz des Wachstums bleibt das Größenverhältnis deutlich: Apple allein hat im zweiten Quartal mehr Ohrhörer ausgeliefert als alle Hersteller offener Modelle zusammen. Das Wachstum dort kommt zudem stark aus dem Einstiegsbereich unter 50 Dollar.
Für dich als Käufer heißt das vor allem: „Open-Ear“ bei Apple und „offen“ in der Marktforschung meinen nicht dasselbe. Wer Ohrhörer sucht, die den Gehörgang komplett frei lassen, etwa beim Laufen im Straßenverkehr, findet sie im Apple-Sortiment nicht. Apples Ohrhörer decken die beiden klassischen Bauformen ab, von den AirPods 5 ohne Silikonaufsätze bis zu den AirPods Pro 3 mit Silikonaufsätzen.
Wären offene Clip- oder Bügelmodelle für dich eine Alternative zu AirPods – oder ist dir das halboffene Design ohne Silikonaufsätze offen genug? Schreib uns in die Kommentare, welche Bauform bei dir im Ohr sitzt.



