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5,7 Milliarden Dollar reichen dem Patentinhaber nicht. Nach dem Urteil zur Taptic Engine will Taction auch an iPhones und Apple Watches mitverdienen, die erst nach der Jury-Entscheidung verkauft wurden oder noch verkauft werden – und zwar bis zum Ablauf der Patente in knapp neun Jahren.
Ende September hatte eine Jury in San Diego entschieden, dass Apple 5,7 Milliarden Dollar für die Taptic Engine zahlen soll. Apple hat inzwischen beantragt, das Urteil zu kippen. Jetzt hat Taction Technology nachgelegt und beim Gericht weitere Zahlungen beantragt, wie Reuters berichtet.
Das Verfahren läuft vor dem Bundesbezirksgericht für den Süden Kaliforniens unter dem Aktenzeichen 3:21-cv-00812 bei Richter Todd W. Robinson. Die Jury hatte zwei Taction-Patente zu gedämpften Vibrationsmodulen als verletzt angesehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Taction verlangt Schadensersatz für Verkäufe von April bis September 2026, die das Urteil noch nicht abdeckt
- Dazu kommen laufende Lizenzgebühren auf künftige US-Verkäufe bis zum Patentablauf am 24. September 2035
- Ausdrücklich genannt werden iPhone 18 Pro, iPhone 18 Pro Max, Apple Watch Series 12 und Apple Watch Ultra 4
- Zinsen von 7 Prozent jährlich sollen ab April 2021 laufen
- Über Apples Antrag auf Aufhebung des Urteils ist noch nicht entschieden
Was Taction zusätzlich verlangt
Das Jury-Urteil vom 25. September deckt nur Verkäufe bis Ende März 2026 ab. Für die sechs Monate von April bis September will Taction nachträglich Schadensersatz.
Der größere Posten betrifft die Zukunft. Taction beantragt laufende Lizenzgebühren auf alle weiteren Verkäufe der betroffenen Geräte, bis die Patente am 24. September 2035 auslaufen. Apple soll dafür vierteljährlich über die US-Verkäufe berichten und innerhalb von 30 Tagen nach Quartalsende zahlen. Einen Satz pro Gerät nennt die Berichterstattung nicht.
Hinzu kommen Zinsen. Vor dem endgültigen Urteil sollen sie mit dem kalifornischen gesetzlichen Satz von 7 Prozent jährlich ab April 2021 berechnet werden, danach bis zur vollständigen Zahlung weiterlaufen.
Die neuen Modelle im Visier
Bemerkenswert ist die Produktliste. Taction nennt ausdrücklich das iPhone 18 Pro und das iPhone 18 Pro Max sowie die Apple Watch Series 12 und die Apple Watch Ultra 4, also Geräte, die bei der Verhandlung noch gar nicht auf dem Markt waren. Sie unterscheiden sich laut Taction nicht wesentlich von den Modellen, über die die Jury entschieden hat.
Für diese Argumentation beruft sich Taction laut Reuters ausgerechnet auf Apple selbst. Im Verfahren gegen Samsung hatte Apple 2018 vertreten, dass Lizenzzahlungen auch für neuere, im Wesentlichen gleiche Modelle gelten müssen.
| Zeitpunkt | Stand |
|---|---|
| 25.09.2026 | Jury-Urteil über rund 5,72 Mrd. Dollar, Verkäufe bis März 2026 |
| 13.10.2026 | Apple beantragt Aufhebung des Urteils oder neuen Prozess |
| 19.10.2026 | Bericht über Tactions Antrag auf Nachzahlung, Lizenzgebühren und Zinsen |
| 24.09.2035 | Ablauf der beiden Patente, Ende der beantragten Lizenzgebühren |
Warum hiesige Käufer nicht betroffen sind
Der Streit dreht sich um US-Patente, und die laufenden Lizenzgebühren beziehen sich ausdrücklich auf Verkäufe in den USA. Ein iPhone 18 Pro oder eine Apple Watch Series 12, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz verkauft werden, fallen nicht darunter.
Ich halte den neuen Antrag vorerst für folgenlos, weil all das an einem Urteil hängt, über dessen Bestand der Richter erst noch entscheidet. Ich rechne damit, dass Robinson zuerst über Apples Antrag befindet und die Höhe der Summe dort der eigentliche Streitpunkt bleibt, bevor über Jahre laufende Zahlungen überhaupt zur Debatte stehen.
Die Größenordnung zeigt trotzdem, worum es geht: Fände Taction mit allen Anträgen Gehör, würde jedes in den USA verkaufte iPhone mit Taptic Engine noch fast neun Jahre lang einen Anteil für Taction abwerfen. Dazu kämen die Nachzahlung für das vergangene Halbjahr und Zinsen, die bis ins Jahr 2021 zurückreichen.
Hält das Urteil am Ende Bestand, oder kippt der Richter die 5,7 Milliarden noch? Schreib uns deine Prognose in die Kommentare.





