Google wirbt auf seinen eigenen Seiten auch innerhalb von Safari für Chrome und die Google-App. In der Beta von iOS 27.2 steckt Code, mit dem Safari genau diese Hinweise erkennt und festhält, wie Nutzer darauf reagieren. Dahinter steht ein Geschäft, das Apple jedes Jahr Milliarden einbringt und seit Jahren Gerichte und Wettbewerbsbehörden beschäftigt.
Den Fund hat 9to5Mac bei einer eigenen Auswertung der Beta gemacht. Demnach testet Apple seit Beta 2 von iOS 27.2 in Safari Code, der Werbebanner für Chrome und die Google-App auf Googles Startseite und Suchergebnisseiten erkennt und protokolliert, ob Nutzer darauf eingehen. In den Versionshinweisen zur inzwischen verteilten dritten Beta von iOS 27.2 taucht die Funktion laut dem Bericht nicht auf.
Ein Code-Fund in einer Beta belegt den Test, nicht die Auslieferung. Er reiht sich in eine Reihe von Funden ein, die rund um iOS 27.2 aufgetaucht sind. Mit iOS 27 hat Safari bereits neue KI-Funktionen bekommen; die jetzt gefundene Messung richtet sich dagegen nicht an den Nutzer, sondern auf Googles Seiten.
Das Wichtigste in Kürze
- Safari erkennt in der Beta von iOS 27.2 Googles Werbebanner für Chrome und die Google-App auf Googles Start- und Suchseiten.
- Erfasst werden laut Bericht, ob ein Banner erschien, ob der Nutzer bei Google angemeldet ist und ob er den Hinweis angenommen oder weggeklickt hat.
- Google hat genau diese Werbung gegenüber der britischen Wettbewerbsbehörde als Beleg für echten Wettbewerb zwischen Chrome und Safari angeführt.
- Apple erhält 36 Prozent der Google-Werbeumsätze aus Safari-Suchen, an Chrome-Suchen auf dem iPhone einen niedrigeren Anteil.
- In der EU regelt der DMA die Browserwahl auf dem iPhone; das Verfahren zum Auswahlbildschirm hat die Kommission im April 2025 eingestellt.
Was der Code in Safari erfasst
Laut dem Bericht lädt Safari auf bestimmten Startseiten und Suchergebnisseiten von Google ein zusätzliches Skript. Es sucht nach sichtbaren Werbeflächen und anderen Seitenelementen, die zum Öffnen oder Installieren von Chrome oder der Google-App auffordern. Erkannt werden sie an Links auf die beiden Apps, etwa über deren App-Store-Einträge.
Findet das Skript eine solche Werbung, kann Safari mehrere Ereignisse festhalten: ob das Banner angezeigt wurde, ob der Nutzer offenbar mit einem Google-Konto angemeldet ist und ob er mit dem Hinweis interagiert hat. Das Ergebnis wird als angenommen oder abgelehnt gewertet und protokolliert.
Der Code steckt in einer Punkt-Version der aktuellen iOS-27-Generation und ist bislang nicht dokumentiert. Belegt ist damit, dass Safari dafür gebaut wurde, Googles Werbung zu erkennen und die Reaktion darauf zu zählen.
Googles Chrome-Werbung als Argument vor der britischen Behörde
Wie wichtig diese Werbeflächen für beide Unternehmen sind, zeigt eine Stellungnahme von Google vom 19. Dezember 2024 zum vorläufigen Bericht der britischen Wettbewerbsbehörde CMA über mobile Browser. Darin führt Google seine Werbung für Chrome auf dem iPhone ausdrücklich als Beleg dafür an, dass Chrome mit Safari im Wettbewerb steht. Für die Jahre 2022 bis 2024 verweist Google auf erhebliche Marketingausgaben, um iPhone-Nutzer zu Chrome zu holen.
In derselben Stellungnahme bestätigt Google, dass es auf dem iPhone Hinweise für Chrome auch auf bestimmten eigenen Websites zeigt, wenn diese in einem fremden Browser geöffnet werden. Genau diese Hinweise erkennt der neue Safari-Code. Nach Googles Angaben, die sich auf eine Umfrage im Auftrag der Behörde stützen, hat mehr als die Hälfte der iPhone-Nutzer in Großbritannien Chrome installiert.
Die CMA hatte vorläufig beanstandet, dass der Suchvertrag zwischen Apple und Google auch eine Umsatzbeteiligung an Chrome-Suchen auf dem iPhone enthält. Diese fällt laut dem vorläufigen Bericht niedriger aus als die Beteiligung an Safari-Suchen, aber ähnlich bedeutend – und dämpft nach Ansicht der Behörde den Anreiz beider Unternehmen, um Nutzer zu konkurrieren. Google hat dem widersprochen.
Was für Apple am Suchvertrag hängt
Wie viel Apple an Safari-Suchen verdient, ist seit November 2023 bekannt: Google gibt 36 Prozent seiner Werbeumsätze aus Safari-Suchen an Apple weiter, wie Alphabet-Chef Sundar Pichai vor Gericht bestätigte. Die Zahl war zuvor einem Gutachter im US-Kartellverfahren gegen Google herausgerutscht.
Wechselt ein Nutzer von Safari zu Chrome, fällt Apples Anteil damit nicht weg, aber er wird kleiner. Der Vertrag selbst hat das US-Verfahren überstanden: Google darf Apple weiterhin für die Voreinstellung bezahlen, exklusive Vereinbarungen sind seit dem Urteil vom September 2025 aber untersagt.
Browserwahl in der EU
In der EU ist die Browserwahl auf dem iPhone über den Digital Markets Act geregelt, der iOS und Safari als zentrale Plattformdienste erfasst. Apple muss Nutzern in der EU einen Auswahlbildschirm für den Standardbrowser zeigen. Nachdem Apple diesen überarbeitet hatte, stellte die EU-Kommission ihr Verfahren am 23. April 2025 ein, kündigte aber an, Apples Umsetzung weiter zu beobachten.
Damals war Apple einer drohenden Strafe wegen der Browserregeln auf dem iPhone entgangen. Wie oft Google innerhalb von Safari für den Wechsel zu Chrome wirbt und wie viele Nutzer darauf eingehen, gehört zu genau der Art Daten, um die in solchen Verfahren gestritten wird.
Wer die Zahlen hat, hat das Argument
Ich halte die Funktion weniger für eine Datenschutzfrage als für eine Beweisfrage. Google hat seine Chrome-Werbung in Safari selbst zum Argument gemacht, Apple kennt bislang nur die eigene Seite der Rechnung. Mit dem Code könnte Apple belegen, wie häufig Google in Apples Browser für den eigenen wirbt und wie oft das verfängt – gegenüber Behörden ebenso wie in den nächsten Vertragsgesprächen.
Auffällig ist der erfasste Anmeldestatus beim Google-Konto. Er sagt nichts über den Suchbegriff, wohl aber darüber, wen Google mit seiner Werbung anspricht. Wer Safari nicht mehr als Standard nutzen will, kann den Standardbrowser auf dem iPhone jederzeit in den Einstellungen ändern.
Hast du dich von Googles Hinweis in Safari schon einmal zu Chrome bewegen lassen – oder tippst du ihn jedes Mal weg? Erzähl uns in den Kommentaren, welcher Browser bei dir vorn liegt.





