Nach Opus und Sonnet bringt Anthropic jetzt auch sein kleinstes Modell auf Version 5.5. Claude Haiku 5.5 rückt in mehreren Tests nah an Sonnet heran und kostet im Betrieb nur noch einen Bruchteil des Vorgängers. Gleichzeitig wird Sonnet 5.5 billiger, und Max- sowie Team-Abonnenten bekommen künftig jeden Monat Guthaben für die Programmierschnittstelle.
Anthropic hat am 7. Oktober Claude Haiku 5.5 vorgestellt, den Nachfolger von Haiku 4.5. Es ist das dritte Modell der neuen Generation nach Claude Opus 5.5 am 22. September und Sonnet 5.5 sechs Tage später. Damit ist die gesamte Hauptreihe innerhalb von 15 Tagen erneuert worden: Haiku als kleinstes und günstigstes Modell, Sonnet in der Mitte, Opus als größtes und teuerstes.
Laut der Ankündigung von Anthropic ist Haiku 5.5 für Aufgaben gebaut, die in großer Zahl anfallen und wenig kosten dürfen. Mit dem Start kommen zwei weitere Änderungen: ein Preisnachlass bei Sonnet 5.5 und ein monatliches Guthaben für Abonnenten der Pläne Max und Team.
Das Wichtigste in Kürze
- Claude Haiku 5.5 ersetzt Haiku 4.5 und ist laut Anthropic bei Standardgeschwindigkeit das bislang schnellste Modell des Unternehmens.
- Bei Anfragen bis 100.000 Token sinken die Listenpreise um 90 Prozent, im praktischen Betrieb kostet das Modell im Schnitt rund 75 Prozent weniger.
- Bei Wissensarbeit und Computersteuerung rückt Haiku 5.5 nah an Sonnet 5.5 heran, beim Programmieren bleibt der Abstand groß.
- Zwischengespeicherte Eingaben kosten bei Sonnet 5.5 nur noch halb so viel.
- Max- und Team-Abonnenten erhalten ab dieser Woche ein monatliches Guthaben für die Claude-Plattform.
Wofür Haiku 5.5 gedacht ist
Anthropic nennt als Einsatzfelder Zusammenfassungen, das Verdichten langer Gesprächsverläufe, Datenbankabfragen und das Sortieren von Anfragen nach Kategorien. In Programmierprojekten soll Haiku 5.5 als Hilfsagent neben Opus 5.5 oder Sonnet 5.5 laufen und dort Teilaufgaben abarbeiten, während das größere Modell die eigentliche Arbeit steuert. Wegen der Geschwindigkeit sieht Anthropic das Modell außerdem im Kundensupport in Echtzeit und beim Bedienen von Webseiten.
Die Angabe zur Geschwindigkeit hat eine Einschränkung: Sie gilt für die jeweilige Standardgeschwindigkeit. Im Schnellmodus laufen die Opus-Modelle schneller als Haiku 5.5. Erstmals bekommt ein Haiku-Modell eine einstellbare Rechentiefe, mit der Entwickler zwischen niedrigen Kosten und höherer Leistung abwägen können – bei den größeren Modellen gibt es diese Einstellung bereits.
Verfügbar ist Haiku 5.5 ab sofort auf der Claude-Plattform sowie bei Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure.
Der Abstand zu Sonnet schrumpft deutlich
Anthropic vergleicht Haiku 5.5 mit dem Vorgänger, mit Sonnet 5.5 und mit GPT-6 Luna von OpenAI. Eine Auswahl der Werte aus der Ankündigung:
| Test | Haiku 5.5 | Haiku 4.5 | GPT-6 Luna | Sonnet 5.5 |
|---|---|---|---|---|
| Wissensarbeit (GDPval-AA v2.1, Punkte) | 1620 | 735 | 1437 | 1840 |
| Computersteuerung (OSWorld 2.1) | 72,4 % | 15,7 % | 48,9 % | 83,9 % |
| Fachwissen (Humanity’s Last Exam, ohne Werkzeuge) | 45,9 % | 10,2 % | – | 56,9 % |
| Agentisches Programmieren (Terminal-Bench 4.0) | 39,2 % | 0,0 % | 16,4 % | 70,6 % |
Den größten Sprung macht das Modell bei der Computersteuerung, also beim selbstständigen Erledigen mehrstufiger Aufgaben an einem echten Rechner. Dort erreicht Haiku 5.5 mehr als das Vierfache des Vorgängers. Bei der Wissensarbeit liegt es nur noch 220 Punkte hinter Sonnet 5.5, Haiku 4.5 lag dort über 1.100 Punkte zurück.
Beim Programmieren bleibt dagegen eine deutliche Lücke. Anthropic empfiehlt für komplexe Programmieraufgaben selbst weiterhin Sonnet 5.5 und Opus 5.5 und sieht Haiku 5.5 bei eng umrissenen Teilaufgaben, die mit früheren Modellen schlicht zu teuer gewesen wären.
Wo die 75 Prozent herkommen
Haiku 5.5 hat zwei Preisstufen, abhängig von der Länge der Anfrage. Die Listenpreise in US-Dollar je eine Million Token:
| Preis je 1 Million Token | Haiku 5.5 (bis 100.000 Token) | Haiku 5.5 (über 100.000 Token) | Haiku 4.5 | Sonnet 5.5 |
|---|---|---|---|---|
| Eingabe | 0,10 $ | 0,50 $ | 1,00 $ | 2,00 $ |
| Ausgabe | 0,50 $ | 2,50 $ | 5,00 $ | 10,00 $ |
| Cache-Lesezugriffe | 0,01 $ | 0,05 $ | 0,10 $ | 0,10 $ |
| Cache-Schreibzugriffe | 0,125 $ | 0,625 $ | 1,25 $ | 2,50 $ |
Bis 100.000 Token liegt der Preis damit 90 Prozent unter dem von Haiku 4.5, darüber 50 Prozent. Nach Anthropics Angaben fielen rund 90 Prozent aller Anfragen an Haiku 4.5 in die günstigere Stufe. Eine Eingabe kostet bei Haiku 5.5 in dieser Stufe ein Zwanzigstel dessen, was Sonnet 5.5 verlangt.
Dass am Ende rund 75 Prozent Ersparnis stehen und nicht 90, liegt an einem überarbeiteten Tokenizer. Haiku 5.5 zerlegt Texte ähnlich wie Sonnet 5.5 und Opus 5.5 und braucht dadurch für dieselbe Aufgabe etwas mehr Token als der Vorgänger. Die Listenpreise allein überzeichnen den Effekt also.
Sonnet wird günstiger, Max und Team bekommen API-Guthaben
Bei Sonnet 5.5 halbiert Anthropic den Preis für Cache-Lesezugriffe von 0,20 auf 0,10 Dollar je eine Million Token. Weil solche Zugriffe einen großen Teil des Verbrauchs ausmachen, soll Sonnet 5.5 bei den meisten Agenten-Aufgaben dadurch rund 20 Prozent günstiger laufen.
Wer Claude über ein Max- oder Team-Abo nutzt, bekommt ab dieser Woche monatlich Guthaben für die Programmierschnittstelle. Die Beträge laut Hilfeseite von Anthropic:
| Abo | Monatliches Guthaben |
|---|---|
| Max 5x | 100 $ |
| Max 20x | 200 $ |
| Team, Standard-Platz | 20 $ je Platz |
| Team, Premium-Platz | 100 $ je Platz |
Bei Team-Plänen fließt das Guthaben aller Plätze in einen gemeinsamen Topf, gedeckelt bei 500 Dollar im Monat. Pro und Enterprise gehen leer aus. Das Guthaben gilt für die API, die Managed Agents und das Agent SDK, nicht aber für interaktive Sitzungen in Claude Code und nicht für Claude über Amazon, Google oder Microsoft. Nicht genutzte Beträge verfallen am Ende jedes Abrechnungszeitraums.
Berechtigt sind auch Abonnenten, die ihr Abo in der iPhone-App über den App Store abgeschlossen haben. Eingelöst wird das Guthaben allerdings nur auf claude.ai im Webbrowser, indem in den Abrechnungseinstellungen eine Organisation der Claude Console verknüpft wird. Diese Verknüpfung lässt sich nur einmal setzen und danach nur über den Support ändern. Die Freischaltung läuft über mehrere Tage, neue Abonnenten müssen zudem sieben Tage im Plan sein.
Engere Grenzen bei Cybersicherheit
Bei den Sicherheitstests zeigt Haiku 5.5 laut Anthropic deutlich seltener Fehlverhalten als der Vorgänger und lässt sich schwerer für Missbrauch einspannen. Die Schutzmechanismen für Cybersicherheit sind strenger als bei Haiku 4.5, aber etwas lockerer als bei den jüngsten größeren Modellen. Defensive Aufgaben sind in größerem Umfang erlaubt als bei Sonnet 5.5, Penetrationstests und ähnliche Angriffstechniken bleiben gesperrt.
Ein kleines Modell, das Sonnet Arbeit abnimmt
Ich halte die Preisstaffel für die eigentliche Nachricht, nicht die Testwerte. Ein Modell, das bei Wissensarbeit nah an Sonnet heranreicht und bei kurzen Anfragen ein Zwanzigstel kostet, verschiebt die Rechnung für alle, die Claude in eigene Werkzeuge einbauen. Die Testwerte stammen allerdings aus Anthropics eigenen Messungen, und die Kundenstimmen in der Ankündigung kommen von Partnern, die das Modell vorab erhalten haben.
Hast du ein Max-Abo in der iPhone-App abgeschlossen, musst du für das Guthaben einmal claude.ai im Browser öffnen – in der App selbst lässt es sich nicht einlösen. Da es jeden Monat verfällt, lohnt die Verknüpfung nur, wenn du tatsächlich etwas mit der Schnittstelle bauen willst.
Wirst du das monatliche API-Guthaben für eigene Werkzeuge oder Automationen nutzen – oder bleibt Claude für dich eine App zum Chatten? Erzähl uns in den Kommentaren, was du damit bauen würdest.





