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Seit Juli wirft Apple OpenAI vor, über abgeworbene Mitarbeiter an Geschäftsgeheimnisse gekommen zu sein. Jetzt dreht OpenAI den Vorwurf um: Ein Ingenieur soll vor seiner Rückkehr zu Apple mehr als 100 Dateien zu einem unveröffentlichten OpenAI-Gerät mitgenommen haben. Apple weist das zurück.
Im Juli hatte Apple OpenAI wegen KI-Hardware verklagt. Beklagt sind neben OpenAI und io Products die früheren Apple-Mitarbeiter Chang Liu und Tang Yew Tan. Erst am 13. Oktober hat Bezirksrichter Edward Davila Apple eine schnelle Beweisaufnahme teilweise zugestanden.
Am 14. Oktober hat OpenAI in demselben Verfahren einen eigenen Schriftsatz eingereicht (Dokument 176, Az. 5:26-cv-07078, N.D. Cal.). Darin geht es nicht mehr nur um Apples Vorwürfe, sondern um einen Fall in umgekehrter Richtung.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Ingenieur soll von Apple zu OpenAI gewechselt sein, dort sechs Monate gearbeitet haben und im Juni zu Apple zurückgekehrt sein.
- Laut OpenAI schickte er mehr als 100 vertrauliche Dateien zu mindestens einem unveröffentlichten Gerät an private Konten.
- Danach soll er OpenAIs Pläne vor Apples Führungsebene präsentiert haben.
- OpenAI will prüfen lassen, ob Apple die Informationen besitzt oder nutzt, und behält sich eigene Klagen vor.
- Apple erklärt, es habe keine Belege für die Vorwürfe gefunden.
Was OpenAI dem Rückkehrer vorwirft
Seinen letzten Arbeitstag bei OpenAI hatte der Ingenieur laut Schriftsatz am 2. Juni 2026. Einen Namen nennt OpenAI nicht. Unter den mitgenommenen Dateien sollen detaillierte Bilder des Geräts sein, technische Daten und Fertigungsdaten, Angaben zu Zulieferern, Projektdateien, Standards für die Oberflächenverarbeitung sowie Berichte zur Beschichtung und Versiegelung von Hardware-Komponenten.
Laut OpenAI hielt der Ingenieur bei Apple eine Präsentation über die Gerätepläne vor ranghohen Managern, darunter der für das operative Geschäft in Asien zuständige Vizepräsident. OpenAI zeigt sich im Schriftsatz „sehr besorgt“, dass seine Geschäftsgeheimnisse nun innerhalb von Apple kursieren. Apple mache gerade einen neuen Vorstoß bei KI-Produkten.
Welches Gerät gemeint ist, sagt der Schriftsatz nicht. Bekannt sind bislang nur Berichte, nach denen OpenAIs erstes Gerät ein Lautsprecher mit Kamera werden soll.
Eine Klage von OpenAI gibt es noch nicht
OpenAI hat bisher keine Gegenklage erhoben. Das Unternehmen bittet das Gericht um Zeit und Zugang zu Unterlagen, um zu prüfen, ob Apple die Informationen besitzt oder verwendet hat. Erst danach will OpenAI entscheiden, ob es eigene Ansprüche geltend macht. Laut OpenAI hat es die Sache direkt bei Apple angesprochen, aber keine ausreichende Zusicherung bekommen.
Apple erklärte gegenüber Reuters, es habe keine Belege für OpenAIs Vorwürfe gefunden. Zudem habe Apple Richtlinien, die verhindern sollen, dass neue Mitarbeiter vertrauliche Informationen früherer Arbeitgeber nutzen.
Der Richter neigt zu Apples Verfügung
Am selben Tag ging es vor Gericht um Apples Antrag. Laut Bloomberg Law hält Davila es für sehr wahrscheinlich, dass er Apples Antrag auf eine Verfügung stattgibt. Dann dürfte OpenAI die mutmaßlich von Apple stammenden Geheimnisse nicht mehr nutzen. Eine forensische Prüfung sämtlicher Geräte und Datenbestände bei OpenAI hielt er dagegen für eine zu weitreichende Forderung. Apples Anwalt kündigte daraufhin an, sie auf wenige frühere Mitarbeiter zu begrenzen.
| Datum | Schritt im Verfahren |
|---|---|
| 2. Juni 2026 | Letzter Arbeitstag des Ingenieurs bei OpenAI, danach Rückkehr zu Apple |
| Juli 2026 | Apple verklagt OpenAI, Chang Liu und Tang Yew Tan |
| 13. Oktober 2026 | Davila gewährt Apple teilweise eine schnelle Beweisaufnahme |
| 14. Oktober 2026 | OpenAI reicht den Schriftsatz zum Rückkehrer ein |
Ein förmlicher Beschluss zur Verfügung liegt noch nicht vor. Über OpenAIs Antrag, die Klage ganz abzuweisen, ist ebenfalls noch nicht entschieden.
Warum der Gegenvorwurf Apple trotzdem treffen kann
Ich halte den Schriftsatz vor allem für einen taktischen Zug. OpenAI steht kurz vor einer Verfügung, die die eigene Hardware-Entwicklung bremsen könnte, und verschiebt den Blick auf die Frage, ob Apple selbst sauber arbeitet. Belegt ist bislang nur, was OpenAI behauptet, und Apple widerspricht ausdrücklich.
Ganz leicht abtun lässt sich der Vorwurf aber nicht. Er beschreibt dasselbe Muster, das Apple OpenAI vorwirft: einen Wechsel zwischen den beiden Unternehmen und vertrauliche Daten, die den Arbeitgeber mitwechseln. Je mehr die Beweisaufnahme davon in beide Richtungen offenlegt, desto schwerer wird es für Apple, sich allein als geschädigte Seite darzustellen.
Siehst du in OpenAIs Vorwurf einen echten Fall, oder vor allem ein Manöver, um von der drohenden Verfügung abzulenken? Schreib uns in die Kommentare, auf welcher Seite du in diesem Streit stehst.





