Die Speicherkrise trifft Europas Smartphone-Markt ungleich: Günstige Geräte brechen weg, teure halten sich. Davon profitieren die Netzbetreiber, die ohnehin mehr hochpreisige Modelle verkaufen – und dort hat Apple im zweiten Quartal Samsung überholt.
Der europäische Smartphone-Markt schrumpft weiter, aber nicht in allen Vertriebswegen gleich stark. Das zeigt ein neuer Bericht von Counterpoint Research auf Basis des Europe Channel Share Tracker des Marktforschungsunternehmens. Er wertet aus, über welche Kanäle Smartphones im zweiten Quartal 2026 an Kunden verkauft wurden – über Netzbetreiber oder über den freien Handel.
Hinter der Verschiebung steht dieselbe Ursache, die den Markt schon seit Monaten prägt: Steigende Speicherpreise machen vor allem günstige Geräte teurer, während Apple aus der Speicherkrise gestärkt hervorgeht.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Smartphone-Verkäufe in Europa sind im zweiten Quartal 2026 um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken.
- Über Netzbetreiber gingen die Verkäufe nur um 4 Prozent zurück, im freien Handel um 11 Prozent.
- Apple hat Samsung als Marktführer im Netzbetreiber-Kanal abgelöst.
- Am schnellsten wuchsen über diesen Kanal Motorola und vivo, im Vorjahr waren es Google und HONOR.
- Counterpoint erwartet, dass die Netzbetreiber in den kommenden Quartalen weiter Anteile gewinnen.
Verkäufe nach Vertriebsweg
Counterpoint unterscheidet zwischen Verkäufen über Netzbetreiber und Verkäufen über den freien Handel. Beide Kanäle sind geschrumpft, aber unterschiedlich stark.
| Vertriebsweg | Veränderung Q2 2026 zum Vorjahr |
|---|---|
| Netzbetreiber | −4 Prozent |
| Freier Handel | −11 Prozent |
| Gesamt | −8 Prozent |
Weil der Netzbetreiber-Kanal langsamer schrumpft als der Rest, wächst sein Anteil am Gesamtmarkt. An der Spitze dieses Kanals steht jetzt Apple vor Samsung.
Warum der Vertrag teure Geräte begünstigt
Counterpoint-Analyst Jan Stryjak begründet die Verschiebung mit der Struktur des Kanals. Über Netzbetreiber werden mehr Smartphones mit Vertrag gekauft, und damit landen dort eher hochpreisige Modelle von Herstellern wie Apple, Samsung und Google. Der Einbruch im unteren Preissegment trifft den Netzbetreiber-Kanal deshalb weniger als den freien Handel.
Apple gilt laut Counterpoint als wichtigster Treiber dieser Entwicklung. Motorola und vivo verdanken ihr Wachstum dagegen vor allem ihrer Positionierung bei wichtigen europäischen Netzbetreibern.
Auslieferungen zeigen dasselbe Muster
Schon im August hatte Counterpoint Zahlen zu den Auslieferungen in Europa vorgelegt, also zu den Geräten, die Hersteller an den Handel geliefert haben. Laut diesem Bericht zum zweiten Quartal sanken sie um 10 Prozent auf 35 Millionen Geräte, den niedrigsten Wert für ein zweites Quartal seit 2023.
Westeuropa kam dabei besser weg, getragen von einem starken Quartal bei Apple und leichtem Wachstum bei Samsung. In Osteuropa brach der Markt deutlich stärker ein, weil günstige Segmente unter Druck gerieten und die meisten chinesischen Hersteller Schwierigkeiten hatten. Weltweit kam Apple im selben Quartal auf 20 Prozent Marktanteil, ebenfalls in einem schrumpfenden Markt.
Auslieferungen und Verkäufe sind dabei verschiedene Messgrößen: Die einen erfassen, was in den Handel geht, die anderen, was beim Kunden ankommt. Die Richtung ist in beiden Berichten aber dieselbe.
Wo Händler gegenhalten
Ich halte den Bericht für einen weiteren Beleg dafür, dass die Speicherkrise den Markt nach Preisklassen sortiert und weniger nach Marken. Apple profitiert, weil das iPhone ohnehin im oberen Segment liegt und häufig mit Vertrag verkauft wird – die Führung im Netzbetreiber-Kanal folgt daraus fast zwangsläufig.
Spannend ist die Gegenbewegung, die Counterpoint ebenfalls beschreibt: Unabhängige Händler haben ihre Aktionen zuletzt stetig ausgeweitet, stärker als die Netzbetreiber. Das könnte einen Teil der Preissteigerungen abfedern und dem freien Handel neuen Schwung geben. Für Käufer ohne Vertrag ist das die interessantere Entwicklung.
Kaufst du dein iPhone mit Vertrag beim Netzbetreiber oder frei im Handel – und hat sich daran durch die steigenden Preise etwas geändert? Schreib uns in die Kommentare, wie deine Rechnung aussieht.





