Im Streit um die vorab geleakten iOS-26-Details geht es jetzt ums Geld: Apple verlangt von Jon Prosser die Umsatzberichte seines YouTube-Kanals. Prosser hält das für überzogen – und sein Mitbeklagter will mit dem Streit der beiden nichts mehr zu tun haben.
Seit Juli 2025 klagt Apple gegen Jon Prosser und Michael Ramacciotti, weil die beiden sich über ein Entwicklungs-iPhone Zugang zu unveröffentlichter Software verschafft haben sollen. Im August meldete Apple, dass Prossers Anwalt seit einem Monat nicht mehr reagiert hatte. Am 7. Oktober reichten alle Parteien den angekündigten nächsten Statusbericht ein.
Der gemeinsame Statusbericht im Verfahren 3:25-cv-06043-JD vor dem Bundesbezirksgericht in San Francisco zeigt drei Parteien mit drei verschiedenen Zielen. Apple will mehr Unterlagen, Prosser will keine mehr liefern, und Ramacciotti will das Verfahren beschleunigen.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple fordert von Prosser YouTube-Umsatzberichte, Kanalstatistiken und seine Kommunikation mit Dritten – angefragt vor mehr als drei Monaten.
- Prosser hält seine Pflichten für erfüllt und argumentiert, die angeblichen Geschäftsgeheimnisse seien seit dem Start von iOS 26 öffentlich.
- Ramacciotti verlangt eine Statuskonferenz noch im Oktober und eine Frist von 30 Tagen, in der Apple die Klage fallen lässt oder sich auf einen Prozess festlegt.
- Ohne Konferenz ist der nächste Statusbericht für den 2. Dezember vorgesehen.
Apple will wissen, was der Leak eingebracht hat
Apple fordert Prossers YouTube-Umsatzberichte und die Analysedaten seines Kanals. Dazu kommt seine Kommunikation mit Dritten. Damit will Apple klären, wie viel Prosser mit den Videos verdient hat und wie die vertraulichen Informationen beschafft und weitergegeben wurden.
Laut Bericht hat Apple die Unterlagen vor mehr als drei Monaten angefordert und noch nicht vollständig erhalten. Apple sieht die eigene Offenlegung dagegen als ausreichend an. Die Signal-Nachrichten zwischen Prosser und Ramacciotti sowie Prossers Aussage deuten aus Apples Sicht auf ein abgestimmtes Vorgehen mit dem Ziel, Geld zu verdienen.
Prosser: Die Geheimnisse sind längst öffentlich
Prossers Anwalt hält dagegen, sein Mandant habe die Pflichten erfüllt, die bei der Aufhebung des Versäumnisurteils im Juni vereinbart wurden. Apple verlange nach jeder Lieferung weitere Dokumente.
Inhaltlich zielt Prosser auf den Kern der Klage. Die angeblichen Geschäftsgeheimnisse seien spätestens mit der Veröffentlichung von iOS 26 und macOS 26 öffentlich, teils seien sie wegen früherer Veröffentlichungen Dritter nie geheim gewesen. Außerdem fehlten in Apples schriftlicher Beschreibung der Geheimnisse Abbildungen, was die Prüfung erschwere.
In seiner Klageerwiderung vom Juli hatte Prosser bereits einen FaceTime-Anruf eingeräumt, in dem Ramacciotti ihm Funktionen auf dem Entwicklungsgerät zeigte. Ein abgestimmtes Vorgehen bestreitet er.
Ramacciotti setzt sich ab
Ramacciotti will sich aus dem Streit zwischen Apple und Prosser heraushalten. Er bittet Richter James Donato um eine Statuskonferenz im Oktober, in der Apple darlegen soll, welche Beweise es noch braucht. Danach soll Apple innerhalb von 30 Tagen entweder die Ansprüche gegen ihn fallen lassen oder sich auf einen Prozess festlegen.
Damit verschiebt sich auch ein Termin, der im August noch feststand. Damals war Ramacciottis zweite Vernehmung für September angesetzt. Jetzt knüpft er sie und aktualisierte schriftliche Antworten an einen Fahrplan, den Apple zuerst vorlegen soll.
| Datum | Schritt im Verfahren |
|---|---|
| 17. Juli 2025 | Apple reicht Klage ein |
| Juni 2026 | Versäumnisurteil gegen Prosser wird aufgehoben |
| 2. Juli 2026 | Prossers Klageerwiderung |
| 5. August 2026 | Statusbericht: Funkstille bei Prossers Anwalt seit 6. Juli |
| September 2026 | geplante zweite Vernehmung Ramacciottis |
| 7. Oktober 2026 | gemeinsamer Statusbericht mit Apples YouTube-Forderung |
| 2. Dezember 2026 | nächster Statusbericht, falls keine Konferenz stattfindet |
Das Argument trifft nur die halbe Klage
Ich halte Prossers Hauptargument für schwächer, als es klingt. Apple verlangt zwei Dinge: Schadensersatz und eine Unterlassung weiterer Veröffentlichungen. Dass die Funktionen inzwischen öffentlich sind, betrifft vor allem die Unterlassung. Für den Schaden dürfte dagegen zählen, was vor Apples eigener Vorstellung passiert ist – und genau dafür will Apple jetzt die YouTube-Zahlen.
Die eigentliche Bewegung kommt von Ramacciotti. Ein Mitbeklagter, der eine Frist für Apples Entscheidung verlangt, erhöht den Druck, die Klage gegen ihn entweder voranzutreiben oder fallen zu lassen. Ob Richter Donato die Konferenz ansetzt, entscheidet darüber, ob sich vor dem Jahresende etwas bewegt.
Sollte Apple die Einnahmen eines Leakers offenlegen lassen dürfen, oder geht das bei einem längst veröffentlichten System zu weit? Schreib uns in die Kommentare, wo du die Grenze ziehen würdest.





