Indien verschärft den globalen Wettbewerb um künstliche Intelligenz, Cloud Computing und digitale Infrastruktur. Während weltweit Regierungen und Konzerne um Rechenleistung, Datenhoheit und technologische Führungspositionen ringen, nutzt Indien steuerpolitische Anreize, um sich langfristig als Standort für KI-Workloads zu etablieren. Der neue Bundeshaushalt zeigt deutlich, dass Rechenzentren, Cloud-Dienste und Halbleiterfertigung inzwischen als strategische Säulen der wirtschaftlichen Entwicklung betrachtet werden.
Mit Blick auf das Jahr 2047 verfolgt Indien eine langfristige Industrie- und Technologiepolitik. Ziel ist es, globale Investitionen anzuziehen, Wertschöpfung im Land zu halten und gleichzeitig eigene technologische Fähigkeiten auszubauen. Steuerbefreiungen für ausländische Cloud-Anbieter, Investitionen in Rechenzentren und gezielte Programme für Elektronik, Halbleiter und kritische Rohstoffe greifen dabei ineinander. Gleichzeitig bleiben strukturelle Herausforderungen wie Stromversorgung, Wasserknappheit und föderale Genehmigungsprozesse zentrale Risikofaktoren.
Steuerfreiheit bis 2047 für globale Cloud-Dienste
Im aktuellen Bundeshaushalt kündigte Finanzministerin Nirmala Sitharaman an, dass Einnahmen aus Cloud-Diensten bis 2047 steuerfrei bleiben sollen, sofern diese Dienstleistungen außerhalb Indiens verkauft werden und die zugrunde liegenden Workloads von Rechenzentren im Land aus betrieben werden. Damit bietet Indien ausländischen Cloud-Anbietern faktisch null Steuern auf einen wesentlichen Teil ihres internationalen Geschäfts.
Verkäufe an indische Kunden sind von dieser Regelung ausgeschlossen. Diese müssen über lokal ansässige Wiederverkäufer abgewickelt werden und unterliegen der regulären inländischen Besteuerung. Zusätzlich sieht der Haushalt eine sogenannte Safe-Harbour-Regelung vor: Indische Rechenzentrenbetreiber dürfen bei Dienstleistungen für verbundene ausländische Unternehmen einen Kostenaufschlag von 15 Prozent ansetzen.
Globale Cloud-Konzerne verstärken ihr Engagement in Indien
Die steuerlichen Anreize treffen auf einen ohnehin starken Investitionstrend. US-amerikanische Cloud- und Technologiekonzerne bauen weltweit ihre Rechenzentrenkapazitäten aus, um den rasanten Anstieg von KI-Workloads zu bewältigen. Indien rückt dabei zunehmend in den Fokus, da das Land über einen großen Pool an Ingenieuren verfügt, eine wachsende Nachfrage nach Cloud-Diensten zeigt und sich als Alternative zu Standorten in den USA, Europa und Teilen Asiens positioniert.
Google kündigte im Oktober an, 15 Milliarden US-Dollar in den Aufbau eines KI-Hubs und den Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur in Indien zu investieren. Bereits 2020 hatte das Unternehmen 10 Milliarden US-Dollar zugesagt. Microsoft folgte im Dezember mit Plänen, bis 2029 rund 17,5 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner KI- und Cloud-Präsenz zu investieren, einschließlich neuer Rechenzentren, Infrastrukturprojekte und Schulungsprogramme.
Auch Amazon erhöhte im Dezember seine Investitionen deutlich. Bis 2030 sollen zusätzlich 35 Milliarden US-Dollar in Indien fließen, wodurch sich das gesamte geplante Engagement des Konzerns auf etwa 75 Milliarden US-Dollar erhöht. Die Investitionen betreffen sowohl den Cloud-Bereich als auch den Einzelhandel.
Ausbau der heimischen Rechenzentrenindustrie
Parallel zu den internationalen Investitionen bereitet sich auch Indiens heimischer Rechenzentrumssektor auf steigende Nachfrage vor. Im November kündigte Digital Connexion, ein Joint Venture von Reliance Industries, Brookfield Asset Management und Digital Realty Trust, an, bis 2030 rund 11 Milliarden US-Dollar in ein KI-fokussiertes Rechenzentrumsprojekt im Bundesstaat Andhra Pradesh zu investieren.
Das geplante Rechenzentrum soll eine Leistung von einem Gigawatt erreichen und sich über rund 400 Acres in Visakhapatnam erstrecken. Es zählt zu den größten bislang angekündigten Projekten in Indien. Zusätzlich gab die Adani Group im Dezember bekannt, gemeinsam mit Google bis zu 5 Milliarden US-Dollar in ein KI-Rechenzentrumsprojekt im Land investieren zu wollen.
Wachsendes Marktvolumen, steigender Energiebedarf
Die installierte Leistung von Rechenzentren in Indien liegt derzeit bei etwas mehr als einem Gigawatt. Bis 2026 soll sie voraussichtlich auf über zwei Gigawatt steigen. Bis 2030 könnte sich die Kapazität durch Kapitalinvestitionen von mehr als 30 Milliarden US-Dollar auf über acht Gigawatt mehr als verfünffachen.
Dieses Wachstum bringt jedoch erhebliche Herausforderungen mit sich. Eine unregelmäßige Stromversorgung, hohe Strompreise und zunehmende Wasserknappheit stellen ernsthafte Hindernisse für den Betrieb energieintensiver KI-Workloads dar. Diese Faktoren könnten den Ausbau verlangsamen und die Betriebskosten für Cloud-Anbieter erhöhen.
Chancen und Risiken der Steuerstrategie
Die aktuellen Ankündigungen zeigen, dass Rechenzentren in Indien zunehmend als strategischer Wirtschaftssektor wahrgenommen werden und nicht mehr nur als technische Backend-Infrastruktur. Die Steuerbefreiungen dürften zusätzliche private Investitionen anziehen und Indiens Rolle als regionaler Daten- und Rechenzentrumsknotenpunkt stärken.
Gleichzeitig bleibt die Umsetzung anspruchsvoll. Herausforderungen bei Stromversorgung, Flächenverfügbarkeit und Genehmigungsverfahren auf Ebene der Bundesstaaten könnten Projekte verzögern. Zudem gilt die Steuerbefreiung bis 2047 als strategische Wette auf globale Big-Tech-Konzerne, obwohl Indien in den kommenden Jahrzehnten eigene Technologieführer hervorbringen könnte.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Pflicht, indische Kunden über lokale Wiederverkäufer zu bedienen. Kleinere inländische Anbieter könnten dadurch in einen intensiven Margenwettbewerb geraten, ohne vergleichbare Anreize für höherwertige Tätigkeiten zu erhalten.
Stärkere Förderung von Elektronik- und Halbleiterfertigung
Über KI und Cloud hinaus setzt Indien verstärkt auf den Ausbau der Elektronik- und Halbleiterindustrie. Der Bundeshaushalt sieht den Start einer zweiten Phase der India Semiconductor Mission vor. Der Fokus liegt auf der heimischen Produktion von Ausrüstung und Materialien, der Entwicklung von Full-Stack-Chip-IP sowie auf dem Ausbau robuster Lieferketten. Ergänzend werden industriegeführte Forschungs- und Ausbildungszentren gefördert, um qualifizierte Fachkräfte auszubilden.
Das Budget für das Electronics Components Manufacturing Scheme wurde deutlich erhöht, von 229,19 Milliarden Rupien auf 400 Milliarden Rupien. Das Programm bietet leistungsabhängige Anreize für Unternehmen, die zentrale Komponenten wie Leiterplatten, Kameramodule, Steckverbinder und andere Bauteile für Smartphones, Server und Rechenzentren herstellen. Die Zahlungen sind an tatsächliche Produktionsmengen gekoppelt, um die lokale Wertschöpfung zu erhöhen und die Abhängigkeit von Importen zu verringern.
Steuererleichterungen für ausländische Zulieferer
Zusätzlich sieht der Haushalt eine fünfjährige Steuerbefreiung ab April für ausländische Unternehmen vor, die Geräte und Werkzeuge an Elektronik-Auftragsfertiger in Zollfreizonen liefern. Davon dürften insbesondere Unternehmen profitieren, die stark auf Auftragsfertigung in Indien setzen. Die Maßnahme schafft Klarheit bei der steuerlichen Behandlung hochwertiger Produktionsanlagen.
Fokus auf kritische Mineralien und seltene Erden
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Sicherung kritischer Mineralien. Indien reagiert damit auf globale Engpässe bei seltenen Erden, die für Elektrofahrzeuge, Elektronikgeräte und Verteidigungssysteme unverzichtbar sind. Die Bundesregierung will mineralreiche Bundesstaaten wie Odisha, Kerala, Andhra Pradesh und Tamil Nadu beim Aufbau spezieller Seltenerdkorridore unterstützen.
Diese Korridore sollen Bergbau, Verarbeitung, Forschung und Fertigung bündeln. Sie bauen auf einem bereits genehmigten siebenjährigen Förderprogramm zur Steigerung der heimischen Produktion von Seltenerdmagneten auf, nachdem der Zugang zu Lieferungen aus China eingeschränkt wurde.
Erleichterungen für grenzüberschreitenden E-Commerce
Neben Industrie und Infrastruktur setzt Indien auch auf den Ausbau des grenzüberschreitenden E-Commerce. Die bisherige Wertgrenze von einer Million Rupien pro Sendung für Kurierausfuhren wird aufgehoben. Davon profitieren insbesondere kleine Hersteller, Handwerker und Start-ups, die ihre Produkte über Online-Plattformen international verkaufen.
Zusätzlich soll die Abwicklung von abgelehnten und zurückgesandten Sendungen mithilfe von Technologie vereinfacht werden. Damit wird ein langjähriger Engpass für Exporteure adressiert.
Indiens Weg zum globalen Technologie- und KI-Standort
Die aktuellen Maßnahmen unterstreichen Indiens Anspruch, sich als langfristiger Knotenpunkt für globale Technologieinfrastruktur zu etablieren. Steuerfreiheit für Cloud-Dienste, massive Investitionen in KI-Rechenzentren, gezielte Förderung von Elektronik und Halbleitern sowie Initiativen für kritische Rohstoffe bilden eine umfassende Strategie.
Ob Indien daraus eine dauerhafte Führungsrolle im KI-Zeitalter entwickeln kann, hängt entscheidend von der Umsetzung ab. Eine verlässliche Strom- und Wasserversorgung, effiziente Genehmigungsverfahren und eine ausgewogene Förderung heimischer Innovationen werden darüber entscheiden, ob politische Anreize in nachhaltige wirtschaftliche Stärke übersetzt werden. (Bild: Shutterstock / Visuals6x)
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