Apple richtet seine Strategie für künstliche Intelligenz neu aus. Nach Jahren interner Verzögerungen, Zuständigkeitskonflikten und vorsichtiger Entscheidungen rückt das Thema KI stärker in den Fokus der Software-Organisation. Im Zentrum dieser Neuausrichtung steht Craig Federighi, der inzwischen die direkte Verantwortung für die KI-Ausrichtung übernommen hat. Besonders im Fokus steht dabei die Zukunft von Siri und der Einsatz externer KI-Modelle innerhalb des Apple-Ökosystems.
Ein detaillierter Bericht von The Information zeigt, wie deutlich sich Apples Haltung zur künstlichen Intelligenz im vergangenen Jahr verändert hat. Apple verabschiedet sich teilweise von dem Anspruch, alle KI-Technologien ausschließlich selbst zu entwickeln, und setzt stattdessen auf eine Kombination aus eigenen Modellen und externen Lösungen. Dieser Kurswechsel ist das Ergebnis interner Erkenntnisse, technischer Grenzen und wachsendem Druck durch die Konkurrenz.
Federighi übernimmt die Führung im KI-Bereich
Im vergangenen Herbst sprach Craig Federighi vor einer gemeinsamen Sitzung der Software- und KI-Teams von Apple. Dabei betonte er zwar die Bedeutung einer engeren Zusammenarbeit, äußerte jedoch gleichzeitig deutliche Unzufriedenheit über das langsame Vorankommen im KI-Bereich. Innerhalb des Foundation-Models-Teams wurden diese Aussagen teilweise als direkte Kritik an der eigenen Arbeit verstanden.
Im Dezember konsolidierte Apple die KI-Führung offiziell unter Federighi. Die Verantwortung für Siri wurde aus der bisherigen KI-Gruppe herausgelöst und vollständig in die Software-Organisation integriert. Dieser Schritt schloss einen Übergang ab, der bereits zu Jahresbeginn begonnen hatte und die internen Zuständigkeiten neu ordnete.
Externe KI-Modelle als Mittel zum Zweck
Im Januar machte Apple öffentlich, künftig auch externe KI-Modelle einzusetzen. Dazu zählt unter anderem Google Gemini, das für zukünftige KI-Upgrades vorgesehen ist. Diese Entscheidung betrifft auch eine überarbeitete Version von Siri.
Federighi geht davon aus, dass Apple durch die Nutzung eines Drittanbieter-Modells erstmals in der Lage ist, eine deutlich verbesserte Siri-Version noch im laufenden Jahr zu veröffentlichen. Zuvor war dieses Update intern umstritten und verschoben worden. Die Einbindung externer KI gilt nun als pragmatische Lösung, um Entwicklungsrückstände aufzuholen.
Kostenbewusstsein prägt Apples KI-Strategie
Intern wird Federighi als sehr kostenbewusst beschrieben. Investitionen mit unklarer Rendite betrachtet er skeptisch. Diese Haltung unterscheidet Apple klar von Wettbewerbern wie OpenAI, Meta Platforms und Google, die Milliardenbeträge in Rechenzentren, spezialisierte Chips und KI-Forschung investieren.
Apple verfolgt stattdessen einen zurückhaltenderen Ansatz. Hohe Infrastrukturkosten sollen vermieden werden, indem KI-Funktionen möglichst direkt auf den Geräten ausgeführt werden. Ergänzt wird dies durch Apples Private-Cloud-Compute-Architektur, die auf eigener Apple-Silizium-Hardware basiert. Intern ging man offenbar davon aus, dass die Kosten für KI-Rechenleistung und Fachkräfte langfristig sinken und viele Anwendungsfälle lokal lösbar sind.
Skepsis gegenüber unvorhersehbarer KI
Federighi stand künstlicher Intelligenz lange kritisch gegenüber. Er bevorzugt deterministisches Softwareverhalten, das sich klar definieren, testen und bei Design-Reviews exakt beschreiben lässt. KI galt für ihn als schwer vorhersehbar und nur begrenzt kontrollierbar.
Diese Haltung zeigte sich auch bei konkreten Produktideen. Vorschläge, den iPhone-Startbildschirm mithilfe von KI dynamisch neu anzuordnen, lehnte er ab. Die Begründung lautete, dass solche automatischen Veränderungen Nutzer eher irritieren als unterstützen würden.
Frühere interne Spannungen rund um KI
Spannungen über die Ausrichtung von Apples KI-Strategie gab es bereits Jahre zuvor. Um 2019 schlug Mike Rockwell, Leiter der Entwicklung der Vision Pro, eine stärker KI-gesteuerte Benutzeroberfläche vor. Rockwell kritisierte Federighis Software-Ansatz als zu konservativ und wurde dafür intern gerügt.
Anfang 2025 übernahm Rockwell dennoch die Verantwortung für Siri und berichtet seither direkt an Federighi. Diese Personalentscheidung zeigt, dass Apple frühere Meinungsverschiedenheiten inzwischen pragmatischer bewertet.
Umdenken nach der Veröffentlichung von ChatGPT
Ein entscheidender Wendepunkt war die Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022. Nach eigenen Experimenten erkannte Federighi das Potenzial großer Sprachmodelle. In der Folge wies er seine Teams an, ähnliche Funktionen für Apple-Produkte zu untersuchen.
Dabei wurde deutlich, dass Apples interne Modelle, die hauptsächlich für den Einsatz auf Geräten optimiert waren, nicht die nötige Leistungsfähigkeit erreichten. Gleichzeitig fühlten sich Mitglieder des Foundation-Models-Teams unfair behandelt, da sie für Optimierungsprobleme verantwortlich gemacht wurden, die aus ihrer Sicht in den Zuständigkeitsbereich der Software-Organisation fielen.
Zudem beklagten einige Teammitglieder, nicht ausreichend darüber informiert worden zu sein, wie ihre Modelle konkret eingesetzt werden sollten. Diese fehlende Transparenz schwächte die interne Entwicklung im Vergleich zu externen Alternativen.
Eigene KI-Modelle bleiben Teil der langfristigen Planung
Trotz der Partnerschaft mit Google plant Apple weiterhin, eigene KI-Modelle zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei vor allem auf effizienten, kompakten Modellen für die Ausführung auf Apple-Hardware. Externe Modelle sollen verkleinert und angepasst werden, um besser auf iPhones, iPads und Macs zu laufen und die Abhängigkeit von Drittanbietern langfristig zu reduzieren.
Um dieses Ziel zu erreichen, erwägt Apple laut Bericht auch die Übernahme kleinerer KI-Unternehmen, die sich auf Modellkomprimierung und -optimierung spezialisiert haben.
Apples neuer Mittelweg bei künstlicher Intelligenz
Apple verfolgt beim Thema künstliche Intelligenz inzwischen einen deutlich pragmatischeren Kurs. Unter der Führung von Craig Federighi kombiniert Apple externe KI-Modelle mit eigener Entwicklung, um schneller Ergebnisse zu liefern und gleichzeitig Kontrolle über Kosten, Datenschutz und Nutzererfahrung zu behalten. Die Neuausrichtung zeigt, dass Apple bereit ist, frühere Positionen zu überdenken, ohne die eigenen Grundprinzipien vollständig aufzugeben. (Bild: Apple)
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