Apple wirft einem früheren Ingenieur vor, Geheimnisse rund um die Gesundheitssensoren der Apple Watch zu Oppo mitgenommen zu haben. Der chinesische Hersteller wollte die Klage vorzeitig beenden lassen. Eine Bundesrichterin in San Jose hat alle drei Anträge abgelehnt.
Apple hatte im August 2025 Klage gegen den früheren Ingenieur Chen Shi und Oppo eingereicht. Shi arbeitete im Team der Apple Watch an Sensoren und wechselte im Sommer 2025 zu Oppo. Apple wirft ihm vor, vor seinem Abgang vertrauliche Unterlagen gesammelt und anschließend an seinen neuen Arbeitgeber weitergegeben zu haben.
Am 30. September 2026 hat Bundesrichterin Eumi Lee die Anträge auf Abweisung der Klage zurückgewiesen. Der sechsseitige Beschluss im Verfahren 5:25-cv-07105-EKL entschied ohne mündliche Verhandlung über drei Anträge: einen von Shi, einen von Oppo gemeinsam mit dessen Gesundheitschef Zijing Zeng und einen der US-Tochter InnoPeak Technology.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein US-Bundesgericht hat alle Anträge auf Abweisung von Apples Klage gegen Chen Shi, Oppo, InnoPeak und Zijing Zeng abgelehnt.
- Laut der Richterin hat Apple mindestens ein Geschäftsgeheimnis ausreichend genau benannt, darunter Technik für Temperatursensor, EKG und optische Herzsensoren der Apple Watch.
- Shis Vertraulichkeitsvereinbarung mit Apple ist nach dem Beschluss nicht als unzulässiges Wettbewerbsverbot nichtig.
- Alle Beklagten müssen bis zum 21. Oktober 2026 auf die Klage antworten, über Apples Antrag auf eine einstweilige Verfügung ist noch nicht entschieden.
Was Apple dem früheren Ingenieur vorwirft
Laut der Klage hat Shi spät in der Nacht drei Tage vor seinem Abgang 63 Dokumente aus einem geschützten Ordner heruntergeladen und sie einen Tag vor dem Ausscheiden auf einen USB-Stick übertragen. Zuvor soll er Dutzende Einzelgespräche mit Mitgliedern des technischen Teams der Apple Watch angesetzt haben, um sich über laufende Entwicklungen bei optischen Sensoren, Temperatursensoren und EKG-Sensoren zu informieren.
Bei Oppo soll Shi die Informationen anschließend vor Hunderten Ingenieuren von Oppo und InnoPeak präsentiert haben. Eingefädelt haben soll das Zijing Zeng, der Leiter von Oppos Gesundheitssparte. Laut Klage kündigte Zeng die Präsentation als Gelegenheit an, zu erfahren, wie Apples Sensoren entwickelt werden. Im Gegenzug sollen die Beklagten Shi eine Anstellung mit großzügigem Gehalt angeboten haben.
Die Beklagten bestreiten die Vorwürfe. Zeng beschreibt den Vorgang als gewöhnliche Anwerbung eines Mitarbeiters.
Warum die Richterin die Anträge abgelehnt hat
Shi hatte argumentiert, Apples Definition vertraulicher Informationen sei so weit gefasst, dass er als Ingenieur im Bereich der Gesundheitssensorik gar nicht mehr arbeiten könne. Nach kalifornischem Recht sind Verträge nichtig, die jemanden an der Ausübung seines Berufs hindern. Die Richterin sah das anders: Die Vereinbarung verbiete Shi nicht, in diesem Bereich oder sogar bei Oppo zu arbeiten, sondern nur, Apples vertrauliche Informationen zu nutzen oder weiterzugeben.
Oppo wiederum hatte bestritten, dass Apple überhaupt ein konkretes Geschäftsgeheimnis benennt. Auch damit drang das Unternehmen nicht durch. Apple beschreibe nicht nur allgemeine Kategorien, sondern konkrete Technik, darunter Hard- und Softwareumsetzungen von Temperatursensor, EKG-Funktion und optischen Sensoren der Apple Watch, und nenne die Dateien, in denen einige dieser Informationen stecken.
| Einwand | Vorgebracht von | Ergebnis |
|---|---|---|
| Abweisung der Vertragsklage | Chen Shi | abgelehnt |
| Abweisung wegen fehlender Geschäftsgeheimnisse | Oppo, InnoPeak, Zijing Zeng | abgelehnt |
| Abweisung der Vorwürfe gegen Zeng | Zijing Zeng | abgelehnt |
Was der Beschluss nicht entscheidet
Der Beschluss stellt nicht fest, dass Shi oder Oppo tatsächlich Geheimnisse entwendet haben. Auf dieser frühen Stufe prüft das Gericht nur, ob Apples Vorwürfe schlüssig sind, wenn man sie als zutreffend unterstellt. Ob die Informationen tatsächlich Geschäftsgeheimnisse sind, sei eine Tatsachenfrage, die erst im weiteren Verfahren geklärt werde, schreibt die Richterin.
Offen ist außerdem Apples Antrag auf eine einstweilige Verfügung, über den im März verhandelt wurde. Apple verlangt darin, dass Oppo alle Mitarbeiter identifiziert und abschirmt, die mit den Informationen in Berührung kamen, darauf beruhende Entwicklungen löscht und seine Datensysteme prüfen lässt.
Die eigentliche Entscheidung steht noch aus
Ich halte den Beschluss für einen wichtigen, aber erwartbaren Schritt. Die Hürde für eine Abweisung in diesem Stadium ist niedrig, und Apples Klage ist ungewöhnlich detailliert: einzelne Dateien, ein konkreter Download-Zeitpunkt, eine dokumentierte Präsentation. Bemerkenswerter ist, dass die Richterin auch das Argument gegen die Vertraulichkeitsvereinbarung verworfen hat, obwohl das kalifornische Recht den Jobwechsel von Angestellten ausdrücklich schützt. Sie zieht die Grenze dort, wo jemand die Geheimnisse des alten Arbeitgebers mitnimmt.
Für Oppo wird die einstweilige Verfügung zur entscheidenden Frage. Gibt die Richterin ihr statt, müsste das Unternehmen in seine eigene Entwicklung eingreifen, noch bevor feststeht, ob überhaupt etwas entwendet wurde. Das wäre ein weitaus schärferer Einschnitt als der jetzige Beschluss.
Sollte ein Gericht ein Unternehmen zwingen können, Entwicklungen zu löschen, bevor ein Diebstahl bewiesen ist – oder geht das zu weit? Widersprich uns gern in den Kommentaren.





