Zehn Jahre lang gab es in den Apple Stores keinen festen Tresen für den Service mehr. Jetzt soll er zurückkommen – und die großen Videowände im Rücken der Läden sollen dafür weichen.
Apple baut seine Läden seit Monaten um. Sichtbar wurde das zuletzt am Zubehörbereich, dessen Neugestaltung wir im August beschrieben haben. Der aktuelle Power-On-Newsletter von Bloomberg beschreibt nun, wohin das führt: Apple will das Tempo der Umbauten erhöhen, und drei Eingriffe verändern das Innere der Läden deutlicher als alles seit dem Wechsel zum offenen Grundriss.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Genius Bar soll als eigener Tresen zurückkehren, diesmal vollständig in Holz und mit zwei Arbeitshöhen.
- Die großen Videowände im hinteren Bereich der Läden sollen verschwinden.
- Abholung und Today-at-Apple-Kurse bekommen je eine eigene Nische an der Seitenwand.
- Apple will die Umbauten in den kommenden Jahren schneller durchziehen als bisher.
- Ein Zeitplan, eine Länderliste oder betroffene Standorte stehen nicht im Bericht.
Was sich in den Läden ändern soll
Die Umbauten setzen an drei Stellen an. Erstens verschwinden die Möbel aus der Mitte: Der Abholtisch und die große Sitzfläche für Kurse wandern in jeweils rund drei Meter breite Nischen an der Seite. Die Nische für Abholungen soll komplett aus Holz gebaut sein, mit einem zurückhaltenden Apple-Logo in der oberen Hälfte, abschließbaren Schubladen für die Bestellungen unten und einem Tisch davor für die Übergabe. Die Kurs-Nische bekommt einen großen Bildschirm und ebenfalls Schubfächer, in denen Vortragende ihre Geräte einschließen können.
Zweitens fallen die Videowände weg, die bisher fast jeden Laden nach hinten abschließen und für Kurse wie für Werbung genutzt werden. Drittens rückt an ihre Stelle vielerorts wieder ein Servicetresen: zwei Arbeitshöhen für unterschiedliche Bedürfnisse, dahinter eine Wand mit Stauraum und großformatigen Produktpostern.
Warum der Tresen zurückkommt
Die Genius Bar war jahrelang das Erkennungsmerkmal des Apple Store. Im Mai 2016 stellte Apple am Union Square in San Francisco den Genius Grove vor und löste den Tresen damit ab: eine offene Beratungszone mit Sitzgelegenheiten, in der Kunden neben den Mitarbeitenden Platz nehmen statt vor ihnen zu stehen. In den großen Läden wuchsen dort echte Ficus-Bäume mit Bänken ringsum, anderswo blieb es bei der offenen Fläche ohne Bepflanzung. Der Gedanke dahinter war, den Laden als Platz statt als Geschäft zu inszenieren.
Genau diese Inszenierung wird nun zurückgedreht. Als Ziel der Umbauten nennt der Bericht eine Ausrichtung auf traditionelle, praktische Aufgaben: verkaufen, ausliefern, reparieren. Die Elemente, die dabei wegfallen, sind jene, die Fläche kosten, ohne Durchsatz zu erzeugen – die freie Sitzzone und die Videowand.
Zur Belastbarkeit: Der Bericht stammt von einem Journalisten mit langer Trefferbilanz bei Apples internen Vorhaben und beschreibt Bauteile bis hin zur Materialwahl, was auf Einblick in konkrete Planungsunterlagen hindeutet. Eine Bestätigung des Unternehmens, ein Zeitplan oder eine Liste betroffener Läden fehlt.
Was das für Kundschaft hierzulande bedeutet
Wer hier einen Apple Store besucht, kennt beide Probleme, die der Umbau adressiert. Die Abholung einer Onlinebestellung führt bislang an einen Tisch mitten im Getümmel, und wer einen Servicetermin hat, sucht zwischen Produkttischen nach der richtigen Anlaufstelle. Ein fester Tresen mit Beschriftung löst das, ohne dass die Kundschaft etwas lernen müsste.
Der Verlust der Videowand trifft dagegen die Kurse: Sie laufen künftig an einer Seitenwand auf einem deutlich kleineren Bildschirm. Für Sitzungen mit wenigen Teilnehmenden reicht das, für die vollen Termine rund um einen Produktstart eher nicht. Wir erwarten, dass die Kurse dadurch kleiner und häufiger werden.
Wärst du lieber an einem festen Tresen aufgehoben – oder hat dir die offene Beratungszone ohne Warteschlangengefühl besser gefallen? Schreib uns in die Kommentare, welche der beiden Varianten du im Laden lieber vor dir hättest.



