Apple gerät weltweit immer wieder mit Regulierungsbehörden aneinander, weil sich die Frage stellt, ob das Unternehmen Gebühren für den Zugang zu wichtigen iPhone-Funktionen und -Plattformen verlangen darf. In Brasilien ist der nächste Streitpunkt erreicht: die NFC-Zahlungsfunktion des iPhones. Dort fordern Banken und Zahlungsdienstleister, dass der Zugang kostenlos wird. Apple hält dagegen und nennt das Ganze den Versuch, proprietäre Technologie gratis mitzunutzen.
In Brasilien ist die Diskussion nicht neu. Der Verwaltungsrat für Wirtschaftsschutz (CADE) hat Apple bereits wegen kartellrechtlicher Vorwürfe rund um den App Store verfolgt. Daraus folgten in Brasilien unter anderem Schritte in Richtung alternativer App Stores und externer Zahlungsmethoden. Jetzt verschiebt sich der Fokus: Nicht der App Store steht im Zentrum, sondern Apples Regeln für NFC-Zahlungen auf dem iPhone.
Worum es diesmal geht: NFC-Zahlungen auf dem iPhone
Auslöser ist ein Bericht von O Globo, der später zuerst von 9to5Mac aufgegriffen wurde. Apple beschreibt darin, dass Dritte wie Banken und Zahlungsdienstleister „kostenlosen“ Zugang zu Apples proprietären Technologien wollen. Gemeint ist die NFC-Zahlungsplattform, die das iPhone für kontaktloses Bezahlen bereitstellt.
Der Hintergrund: In Brasilien bewegt sich der Markt gerade in Richtung NFC. Dienste wie Pix wollen weg von reinen QR-Code-Zahlungen und stärker auf NFC setzen. Auf Android ist das bereits einfacher, weil Google die Technologie für Android-Smartphones zugelassen hat. Auf dem iPhone hat dieser Ansatz bisher noch nicht im gleichen Maß Fuß gefasst.
Warum Pix und Banken Druck machen
Der zentrale Punkt ist Apples Gebührenmodell: Apple berechnet Zahlungsabwicklern und Banken für jede Transaktion eine Gebühr, wenn sie Zugriff auf die iPhone-NFC-Funktionalität erhalten wollen. Genau das kritisieren CADE und mehrere Banken als potenziell wettbewerbswidrig.
Aus ihrer Sicht wirkt es so, als würde Apple eine Schlüsseltechnologie kontrollieren und die Nutzung für Wettbewerber verteuern. Für Pix ist das besonders relevant, weil der Dienst zwar auf NFC umstellen will, aber den Zugang nicht bezahlen möchte.
Apples Antwort: bekanntes Argument, diesmal mit Brasilien-Fokus
Apple kontert mit einem Argument, das man aus ähnlichen Debatten kennt, das aber zumindest nachvollziehbar aufgebaut ist:
- Apple Pay sei nicht nur sicherer, sondern auch bequemer.
- Apple betont außerdem, dass Apple Pay in Brasilien bereits 2018 eingeführt wurde und damals von mehr als 40 Banken und Emittenten unterstützt worden sei.
Damit stellt Apple dar, dass es in Brasilien schon lange möglich war, ein breites Apple-Pay-Angebot aufzubauen, und dass viele Marktteilnehmer sich bereits darauf eingelassen haben.
Der Haken: iPhone-Marktanteil nur rund 10 Prozent
Gleichzeitig ist die Ausgangslage in Brasilien speziell: Das iPhone hat dort laut Darstellung im Bericht nur etwa 10 Prozent Marktanteil. Apple Pay ist damit, selbst wenn es technisch gut integriert ist, eher eine Minderheiten-Plattform.
Apple nutzt genau diesen Punkt als Verteidigung. Wenn das iPhone nur einen relativ kleinen Teil des Marktes ausmacht, soll das gegen die Einstufung sprechen, dass Apple Pay oder die NFC-Gebühren wettbewerbswidrig seien. Kurz gesagt: zu wenig Marktmacht, um den Wettbewerb im großen Stil zu verzerren.
Apple kritisiert Pix als „minderwertig“ und warnt vor Reibung
Apple bleibt nicht bei Marktanteilen stehen, sondern greift Pix auch qualitativ an. Im Kern lautet die Argumentation: Ein von Banken gewünschtes NFC-Zugangsmodell könne mehr Reibung erzeugen als Apple Pay und Apple Wallet.
Apple beschreibt, dass Nutzer bei einem solchen Modell beim Wechsel zwischen verschiedenen Zahlungskarten nicht einfach innerhalb einer zentralen Wallet umschalten, sondern möglicherweise jedes Mal eine andere Zahlungslösung auswählen müssten. Das könne die Bereitschaft senken, unkompliziert zwischen Karten zu wechseln.
Es geht nicht mehr um „dürfen“, sondern um „zahlen“
Die Frage ist nicht mehr, ob Pix die iPhone-NFC-Technologie grundsätzlich nutzen darf. Apple hat in iOS 18 eine Funktion eingeführt, die Drittanbietern den Zugriff auf diese Technologie ermöglicht.
Der Streit dreht sich deshalb vor allem um den Preis: Pix will den Zugang, ohne dafür zu bezahlen. Apple besteht darauf, dass der Zugang zu seiner Plattform und seinem Ökosystem vergütet werden soll.
CADE muss entscheiden
Wie CADE am Ende entscheidet, ist offen. Im Bericht wird außerdem angedeutet, dass Apple in der Vergangenheit ähnliche Auseinandersetzungen rund um den App Store und andere Dienste bereits für sich entscheiden konnte. Regulierungsbehörden haben Apple dabei wiederholt zugestanden, dass das Unternehmen grundsätzlich eine Bezahlung für den Zugang zu seinem Ökosystem verlangen darf.
Ob diese Logik in Brasilien auch beim Thema NFC greift, ist genau das, was nun geprüft wird.
Apple und Brasiliens Banken im Streit um NFC-Gebühren
In Brasilien prallen zwei Positionen aufeinander: Banken und Zahlungsdienstleister wollen NFC-Zahlungen auf dem iPhone nutzen, aber ohne Transaktionsgebühren an Apple. Apple hält dagegen, verweist auf Sicherheit, Komfort, die frühe Einführung von Apple Pay mit breiter Bankunterstützung seit 2018 und darauf, dass das iPhone im Land nur etwa 10 Prozent Marktanteil hat. Dazu kommt: Mit iOS 18 ist der technische Zugang für Drittanbieter grundsätzlich möglich, der Konflikt steckt inzwischen klar in der Frage, ob Apple dafür Geld verlangen darf. Wie CADE den NFC-Zugang bewertet, bleibt abzuwarten. (Bild: Shutterstock / DenPhotos)
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