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Bei 5G hat Apple noch auf Qualcomm gewartet. Beim Nachfolger soll das eigene Modem von Anfang an mitspielen, und das Team dafür wächst gerade. Neue Stellenausschreibungen zeigen, woran in Kalifornien und München gearbeitet wird.
Apple hat am 19. Oktober eine Stelle als 6G Cellular Modem Systems Engineer ausgeschrieben. Sie gehört zum Team, das laut Ausschreibung die nächste Mobilfunkgeneration definiert und baut, und zwar ausdrücklich im Übergang zu 6G. Die Stelle fügt sich in Apples Umstieg auf eigene Funkchips ein: Seit dem C1 im iPhone 16e setzt Apple auf eigene Modems, und in Deutschland steckt in beiden aktuellen Pro-Modellen bereits Apples C2-Modem. Wer ein eigenes Modem baut, muss auch den nächsten Mobilfunk-Standard selbst beherrschen.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple sucht für San Diego und Sunnyvale einen Systemingenieur, der Funktionen für Modems der nächsten Generation mit Schwerpunkt 6G definiert.
- Auch in München ist eine Stelle mit 6G-Bezug offen: Layer-1-Software für ein 5G/6G-Mobilfunksystem.
- Die Anforderungen an 6G sollen am 1. Dezember 2026 bei der Internationalen Fernmeldeunion formal genehmigt werden, die ersten Spezifikationen sind für Anfang 2029 geplant.
- Erste kommerzielle 6G-Netze werden um 2030 erwartet.
- In der EU empfiehlt das zuständige Beratungsgremium, den größten Teil des oberen 6-GHz-Bands für den Mobilfunk zu reservieren.
Was die Ausschreibung verlangt
Die Stelle verbindet laut Apple die Anforderungen aus den 3GPP-Standards mit Algorithmen, Hardware- und Firmware-Architektur bis hin zur Inbetriebnahme der Chips. Ziel sind spürbare Verbesserungen bei Durchsatz, Latenz, Akkulaufzeit und Verbindungsstabilität. Verlangt werden mindestens zehn Jahre Berufserfahrung und gute Kenntnisse in 4G, 5G und dem entstehenden 6G-Standard, insbesondere in der Arbeitsgruppe, die bei 3GPP die physikalische Funkschicht festlegt.
Aufschlussreich sind die bevorzugten Qualifikationen. Apple nennt dort drei Forschungsthemen, die derzeit für 6G untersucht werden: künstliche Intelligenz direkt in der Funkschnittstelle, Funksignale, die zugleich als Sensor dienen, und Oberflächen, die Funkwellen gezielt umlenken. Das Grundgehalt liegt für die beiden US-Standorte zwischen 175.000 und 308.500 Dollar im Jahr.
Die Ausschreibung ist kein Einzelfall. Apple hat im August und September außerdem Testingenieure für die Zusammenarbeit von 5G- und 6G-Geräten mit Mobilfunknetzen ausgeschrieben, ebenfalls in San Diego und Sunnyvale.
München arbeitet am 6G-Modem mit
Seit dem 30. September ist bei Apple in München eine Stelle für Embedded-Software im Bereich Layer-1-Steuerung ausgeschrieben. Die Aufgabe ist Steuerungssoftware für ein 5G/6G-Mobilfunksystem, also für die Ebene, die direkt über der Funkhardware Sendeleistung, Antennenwahl und Zeitplanung regelt. Die Stelle gehört zum Bereich Wireless Technologies and Ecosystems.
München ist für diese Arbeit kein Nebenstandort. Apple hat dort 2021 sein Europäisches Silizium-Design-Center angekündigt, mit Schwerpunkt auf Konnektivität und drahtlosen Technologien und mehr als einer Milliarde Euro an Investitionen. Im März 2023 legte Apple eine weitere Milliarde nach, verteilt über sechs Jahre, ausdrücklich auch für künftige drahtlose Technologien. In Bayern arbeiteten damals mehr als 2.000 Ingenieure für Apple.
Der Zeitplan für 6G
6G ist noch kein fertiger Standard. Die Arbeitsgruppe der Internationalen Fernmeldeunion hat im Februar 2026 die technischen Mindestanforderungen für 6G im Entwurf angenommen, 20 Leistungskriterien, davon sieben neu. Die formale Genehmigung ist für den 1. Dezember 2026 angesetzt.
Bei 3GPP, dem Gremium, das die eigentlichen Spezifikationen schreibt, laufen die Studien laut Ericssons Übersicht zur Juni-Sitzung noch bis ins erste Halbjahr 2027. Die Spezifikationen selbst entstehen danach bis Ende 2028, die ersten 6G-Spezifikationen sollen Anfang 2029 stehen. Ericsson erwartet die ersten kommerziellen 6G-Systeme 2030.
| Datum | Schritt |
|---|---|
| 12.11.2020 | Apple wird Gründungsmitglied der Next G Alliance für 6G in Nordamerika |
| März 2021 | Apple kündigt das Silizium-Design-Center in München an |
| Februar 2025 | Erstes eigenes Apple-Modem C1 im iPhone 16e |
| Februar 2026 | Entwurf der 6G-Mindestanforderungen bei der Fernmeldeunion |
| September 2026 | C2-Modem in iPhone 18 Pro und Pro Max (in Deutschland in beiden) |
| 19.10.2026 | Ausschreibung „6G Cellular Modem Systems Engineer” |
| 01.12.2026 | Geplante Genehmigung der 6G-Mindestanforderungen |
| Anfang 2029 | Erste 6G-Spezifikationen bei 3GPP |
| um 2030 | Erste kommerzielle 6G-Netze (Erwartung von Ericsson) |
Die Next G Alliance ist eine Industriegruppe des US-Verbands ATIS, Apple gehört seit November 2020 zu ihren Gründungsmitgliedern. Zwischen der aktuellen Ausschreibung und den ersten Spezifikationen liegen damit gut zwei Jahre, bis zu den ersten Netzen etwa dreieinhalb.
Welche Frequenzen 6G in der EU bekommen soll
Für Nutzer in Deutschland und Österreich hängt 6G auch an einer Frequenzfrage. Die Radio Spectrum Policy Group, das Beratungsgremium der EU-Kommission, hat im November 2025 empfohlen, die oberen 540 Megahertz des oberen 6-GHz-Bands vorrangig dem Mobilfunk zu geben. Über die restlichen 160 Megahertz am unteren Rand soll erst nach der Weltfunkkonferenz 2027 entschieden werden. Das Band gilt in Europa als wichtigstes neues Spektrum für 6G.
Die Bundesregierung hatte sich zuvor ebenfalls für den Mobilfunk ausgesprochen, gegen den Widerstand der Breitbandverbände, die mehr Platz für WLAN gefordert hatten. In der EU ist für WLAN bisher nur der untere Teil des 6-GHz-Bands freigegeben.
Warum Apple diesmal selbst bereit sein muss
Das erste 5G-iPhone, das iPhone 12, kam 2020 mit einem Modem von Qualcomm. Apple konnte damals warten, bis ein Zulieferer die Technik fertig hatte. Diesen Puffer gibt es nicht mehr, sobald das eigene Modem in allen Geräten steckt: Dann muss Apple den Standard selbst rechtzeitig umsetzen, sonst fehlt den iPhones die neue Generation.
Ich lese die Ausschreibungen deshalb weniger als Signal für ein bestimmtes Produkt, sondern als Aufbau eines Teams, das in die Standardisierung hineinwachsen muss. Gemessen an Spezifikationen ab 2029 und ersten Netzen um 2030 rechne ich nicht mit einem 6G-iPhone vor dem Ende des Jahrzehnts. Bis dahin bleibt 5G das Netz, auf das es ankommt, und dort lohnt ein Blick auf die 5G-Einstellungen am iPhone.
Traust du Apple zu, beim 6G-Start mit dem eigenen Modem direkt vorne dabei zu sein, oder rechnest du damit, dass das erste 6G-iPhone erst einige Zeit nach den ersten Netzen kommt? Schreib uns deine Prognose in die Kommentare.





